Nachfolge nicht geklärt
Thomas-Cook-Chef Holtrop wird abgelöst

Nur ein gutes Jahr nach seinem Einstieg beim Reisekonzern Thomas Cook, muss Vorstandschef Thomas Holtrop gehen. Ein Sprecher wollte das nicht bestätigen, aus Konzern- wie aus Aufsichtsratskreisen hieß es jedoch, Holtrop sei „inzwischen schon Geschichte bei Thomas Cook“.

ek DÜSSELDORF. Offizielle Angaben werden am heutigen Dienstag erwartet. Die Entscheidung sei am Nachmittag im Aufsichtsrat der gemeinsamen Tochter von Lufthansa und Karstadt-Quelle gefallen, berichtet die Agentur Reuters. Als Grund werden Zerwürfnisse in der Führung des Unternehmens genannt. Zu einem möglichen Nachfolger gab es zunächst keine Angaben.

Der 52-Jährige hatte im Herbst 2005 bei Thomas Cook die Nachfolge des erfahrenen Touristikers Wolfgang Beeser angetreten. Dieser war aus dem Ruhestand geholt worden und hatte den kurz vor der Pleite stehenden Konzern erfolgreich saniert. Der branchenfremde Holtrop, der von der Telekom kam, hatte dann das etablierte Management immer wieder mit neuen Ideen und seinem forschen Führungsstil überrascht. Auch seinen vorherigen Job als Vorstandschef von T-Online hatte Holtrop im September 2004 vorzeitig verlassen, offenbar nach Differenzen mit dem damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke.

Gar nicht gut kam im Unternehmen an, dass er einen großen Kreis von Vertrauten um sich scharte, die ihrerseits ebenfalls keine Erfahrungen in der Touristik hatten. Langjährige Führungskräfte, die am Erfolg insbesondere der für Thomas Cook wichtigsten Marke Neckermann maßgeblich beteiligt waren, verließen in der letzten Zeit das Unternehmen im Unfrieden, wie Branchenkreise beobachteten.

„Holtrop ist es nicht gelungen, Mitarbeiter und Management auf seine Seite zu ziehen, sagte ein Thomas-Cook-Manager. In der Branche galt der Cook-Chef schon länger als angeschlagen. Ein führender Touristikmanager sagte dem Handelsblatt im Blick auf die Probleme beim Wettbewerber Tui vor einigen Wochen, dass nach seiner Einschätzung Holtrop eher gehen müsse als der ebenfalls in der Schusslinie stehende Tui-Chef Michael Frenzel.

Beschleunigt worden sein könnte die Entwicklung durch eine sich abzeichnende Einigung zwischen Lufthansa und Karstadt, das 50:50-Joint-Venture Thomas Cook zugunsten einer reinen Karstadt-Lösung aufzugeben. Die seit Monaten andauernden Verhandlungen sind einem Insider bei Thomas Cook zufolge soweit gediehen, dass die Chancen einer Vereinbarung noch in diesem Jahr bei „70 bis 80“ Prozent liegen. Knackpunkt sei nicht mehr der Kaufpreis, sondern die Frage, ob die zu Thomas Cook gehörende Fluggesellschaft Condor zurück zur Lufthansa gehe oder doch in dem Reisekonzern zumindest für eine Übergangszeit verbleibe.

Thomas Cook, mit knapp acht Mrd. Euro Umsatz Europas zweitgrößter Reisekonzern nach Tui, stand vor wenigen Jahren am Rande des Ruins. Im Geschäftsjahr 2004/2005 erzielte Thomas Cook mit 20 Mill. Euro erstmals wieder Gewinn. Für das Ende Oktober abgelaufene Geschäftsjahr 2005/2006 sollte das Plus deutlich höher ausfallen. Zuletzt beschäftigte Cook gut 23 000 Mitarbeiter vor allem in Deutschland und Großbritannien.

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