Nachfolge noch offen
Finanzmagier auf Abschiedstour

Er wird "Ökonom der Ökonomen" und "Magier der Märkte" genannt. Nun wird Alan Greenspan im Januar 2006 als Präsident der US-Notenbank Fed aus dem Amt scheiden. Doch vorher geht er noch auf Abschiedstour.

HB DÜSSELDORF. Fast 18 Jahre lang stand Alan Greenspan an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Er hat die Zeit genutzt, um sich als resoluter Lenker der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik unentbehrlich zu machen. Ende Januar geht er in den Ruhestand.

Von vielen wird er als "zweitwichtigster Mann der Welt" gefeiert. Seine Kritiker werfen Greenspan indes vor, er habe nach dem Platzen der Börsenblase vor fünf Jahren zwar durch schnelle Zinssenkungen eine Rezession verhindert, damit aber eine neue, noch gefährlichere Blase aufgepumpt. Das ändert nichts daran, dass Broker ihre Söhne gerne Alan nennen.

Mittwoch nun begann der 79-jährige Greenspan seine Abschiedstour: Zum 35. und letzten Mal trat er mit seiner zerbeulten Aktentasche vor den Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Dort kam sogleich richtig Wehmut auf. "Ihre Wirtschaftsanalyse war immer der Höhepunkt in unserem Kalender gewesen", versicherte der Ausschussvorsitzende Michael Oxley. "Sie sind einfach einer der besten Staatsdiener, die es gibt", meinte Christopher Shays.

Nun ist Greenspan nicht eben für seine spontanen Reaktionen bekannt. Er gilt als spröde und zuweilen vernuschelt. Es heißt, Greenspan habe zweimal um die Hand seiner Frau anhalten müssen. Beim ersten Mal habe sie ihn nicht verstanden. Tritt der hagere Greenspan ans Rednerpult, lauschen die Finanzexperten umso genauer. Darum auch der Titel "Orakel von Washington". Weil Greenspan weiß, dass seine Worte an den Finanzmärkten Beben auslösen können, legt er vorzugsweise die Stirn in Falten, verzieht die Miene nicht und wartet dann mit kompliziertesten Satzgebilden auf.

Auch vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses blieb Greenspan am Mittwoch seinem etwas hölzernen Naturell treu. Die überschwänglichen Huldigungen nahm er mit einem knappen "Thank you" entgegen, und widmete sich der Materie. In gewohnt verklausulierter Manier dozierte er über Inflationsdruck, Fiskaldruck und Reallöhne, Risikoprämien, langfristige Zinsen und "Schaum im Immobilienmarkt". "Wir werden sie vermissen", sagte der Abgeordnete Paul Gillmer, der wie die anderen seit Jahren und meist vergeblich versuchte, Greenspan aus der rhetorischen Reserve zu locken.

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