Nachfolge
Patriarchalische Strukturen

Nach wie vor werden männliche Nachkommen bei der Weitergabe von Unternehmen bevorzugt - auch wenn es der Firma im Endeffekt schadet. Dabei spielt die Qualifikation sogar eine eher untergeordnete Rolle.

am DÜSSELDORF. Dass Firmen selten an Töchter weitergegeben werden, liegt vor allem an patriarchalen Strukturen in den Familienunternehmen - so fasst Rolf Haubl die Ergebnisse seiner Untersuchung zusammen. Haubl ist Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Uni Frankfurt, zudem Direktor des Sigmund-Freud-Instituts. Er hat in der Studie gefragt: "Warum sollten Töchter nicht erste Wahl sein?"

Die Widerstände beim Generationswechsel könnten sogar so groß sein, dass "das vorhandene Potenzial der Frauen zum Schaden des Unternehmens nicht genutzt wird". Töchter bekommen der Untersuchung zufolge erst dann eine Chance, wenn männliche Nachfolger fehlen oder diese sich verweigern.

Die Ergebnisse der Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beruhen auf einer aufwändigen Auswertung von 53 mehrstündigen Interviews mit Töchtern, die in mittelständischen Familienunternehmen erfolgreich die Geschäftsleitung übernommen haben oder an einer angestrebten Übernahme gescheitert sind.

Aus den Interviews lässt sich ablesen, dass es nicht an der Ausbildung liegt, wenn Frauen ihren Anspruch auf Nachfolge nicht durchsetzen konnten: Sie verfügten über ebenso gute berufliche Qualifikation wie die erfolgreichen Nachfolgerinnen.

An unternehmerischem Talent mangelt es ebenso wenig: Viele der "an der Nachfolge gescheiterten Töchter" hätten später erfolgreiche eigene, oft sogar größere Unternehmen gegründet. Haubl beobachtet, dass Töchter vor allem dann gute Chancen auf den Chefsessel haben, wenn die Nachfolge in einem fairen Wettbewerb ermittelt wird. Diese Dienste bieten in Deutschland Unternehmensberater an - wie Helga Breuninger mit ihrer Beratung Successio. Es wenden sich immer häufiger Väter an sie, die ihre Nachfolge im Konsens lösen wollen. So investierte jüngst ein Unternehmer aus dem Sauerland 25 000 Euro für eine Beratung. "Das ist nicht gerade billig", gibt sie zu, aber die Familie habe eine mehrtägiges professionelles Assessment bekommen.

Zunächst sprach Breuninger mit Vater, Mutter und den vier Kindern jeweils allein. Sie weiß, dass die Rolle der Mütter bei der Nachfolgefrage oft vernachlässigt wird. "Als Eltern wollen sie gerecht sein und alle gleich behandeln", erklärt sie, aber als Unternehmer müsse man nüchtern nach der Eignung der Kinder für die Leitung fragen. Bei der Antwort auf diese Frage kommt mittlerweile häufiger ein weiblicher Name heraus. Im Fall des Sauerländer Unternehmers habe nach einer "versachlichten Diskussion" die zweitälteste Tochter die Nachfolge angetreten - und nicht der älteste Sohn.

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