Nachfolger für Dieter Vogel
Melchior soll bei WCM durchgreifen

Der Mann gilt als ein harter Sanierer, der weiß, wie man wirtschaftlich tragfähige Strukturen umsetzt: Diese Fähigkeit nutzte Jochen Melchior vor einigen Jahren als Vorstandsvorsitzender des Kraftwerksspezialisten Steag.

HAMBURG. Konsequent baute der 64-Jährige den Steinkohleverstromer zu einem internationalen Stromerzeuger um – und dies gegen den Widerstand der Großaktionäre RWE und RAG. Nun steht Melchior vor einer neuen Herausforderung: Der gebürtige Essener soll den Aufsichtsratsvorsitz der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM übernehmen, heißt es aus Kreisen des Unternehmens. Der Manager löst damit den früheren Thyssen-Chef Dieter Vogel ab, der sein Amt im Kontrollgremium der WCM Ende Januar niederlegen will. Melchior gilt als Wunschkandidat von Vogel. Er hatte den früheren Steag-Manager bereits Mitte vergangenen Jahres für einen Aufsichtsratsposten bei der Beteiligungsfirma begeistern können, um seinen Ausstieg aus dem Kontrollgremium der WCM vorzubereiten.

Mit der Wahl von Melchior würde Vogel ein schwieriges Kapitel seiner Managerkarriere beenden. Der ehemalige Thyssen-Lenker war vor zwei Jahren auf Drängen der Banken in den Aufsichtsrat des hessischen Unternehmens gerückt, das durch millionenschwere Fehlspekulationen mit Aktien der Frankfurter Commerzbank und gravierende Managementfehler an den Rand des Ruins gedrückt wurde. Vogel entschuldete den angeschlagenen Konzern konsequent, indem er massiv Immobilien und Firmenbeteiligungen verkaufte.

Trotz der guten Vorarbeit steht Melchior vor einer harten Belastungsprobe. Denn der Frankfurter Konzern droht wegen einer millionenschweren Steuernachzahlung nicht nur finanziell ins Schlingern zu geraten. Die Forderung des Finanzamts beschert dem Unternehmen ein weiteres Problem: WCM-Vorstandschef Roland Flach kann die seit fast mehr als einem Jahr geplante Fusion mit der Duisburger Klöckner-Werke AG nicht vollziehen. Mit dieser Fusion wollte der Konzern langfristig wieder in ruhiges Fahrwasser kommen.

Auch einige Firmen des Beteiligungskonzerns stehen weiter auf dem Prüfstand. Dazu gehört beispielsweise der angeschlagene Klinik-Konzern Maternus, der verkauft werden soll.

Zum Golfen dürfte Melchior deshalb wenig Zeit bleiben angesichts der vielen Baustellen. Auch wenn sich ein WCM-Sprecher zu den Personalspekulationen bedeckt hält: „Wer künftig den Aufsichtsrat übernimmt, ist noch offen.“

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