Nachfolger steht noch nicht fest
Spekulationen um Sprengs Abgang

Jürgen Rüttgers, der CDU-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen, verliert seinen Berater – und scheint nicht traurig darüber zu sein.

BERLIN. Gerade einmal knapp zehn Monate ist es her, als Michael Spreng tönte: „Wir werden die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, dem größten Bundesland Deutschlands, zur vorgezogenen Bundestagswahl machen.“

Am Wochenende hat sich der persönliche Wahlkampfberater von CDU-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers von diesem Job zurückgezogen. Der frühere Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ gab fünf Monate vor der Wahl „persönliche Gründe“ für seine Entscheidung an. Rüttgers dankte ihm für dessen „erfolgreiche Arbeit“.

Ob Sprengs Zeit allerdings so erfolgreich war, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. In CDU- Kreisen zeigte man sich sicher, dass Rüttgers nicht unglücklich über die Entscheidung Sprengs war, der als „Stoiber-Macher“ mit viel Vorschusslorbeeren in Düsseldorf seine Arbeit begonnen hatte. Spreng hatte im Bundestagswahlkampf 2002 den CSU- Vorsitzenden beraten. So richtig viel bewegt habe Spreng in NRW in den letzten Monaten aber nicht, hieß es. Ob einen Zusammenhang mit den sinkenden Umfragewerten der CDU und dem Rückzug Sprengs bestehe, blieb unbeantwortet. In die Zeit Sprengs fallen jedenfalls die konträren Äußerungen Rüttgers zum Gesundheitspapier der Union und die Forderung nach der „Generalrevision“ der Arbeitsmarktreform Hartz IV.

Im Konrad-Adenauer-Haus hatte dies für Wirbel gesorgt und den Wahlkämpfer Rüttgers in erhebliche Erklärungsnöte gebracht. Diskutiert wird auch, ob es besonders klug war, Hermann-Josef Arentz für das CDU-Präsidium kandidieren zu lassen, obwohl Einzelheiten seiner RWE-Bezüge schon bekannt waren. Der Rücktritt von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer dürfte die Entscheidung Sprengs beschleunigt haben. Spreng ist mit Meyer eng befreundet und geriet dadurch in Loyalitätskonflikte. Wer der Nachfolger des 55-jährigen PR-Profis wird, dem es oft auch in Düsseldorf zu provinziell zugegangen sein soll, steht noch nicht fest.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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