Nachfolger von CEO Sugar
Warten auf den Northrop-Chefsessel

Immer deutlicher zeichnet sich beim Rüstungskonzern Northrop Grumman die Nachfolge von Vorstandschef und Chairman Ronald Sugar, 57, ab.

DÜSSELDORF. Sugar gedenkt zwar vorerst noch nicht abzutreten, doch scheint Finanzvorstand Wesley Bush sein designierter Nachfolger zu sein: Gestern wurde bekannt, dass das Board des Konzerns ihn zum Präsidenten des Unternehmens ernannte.

Der Letzte, der den Präsidenten-Titel als alleinigen Posten hielt, war Sugar – bevor er 2003 seinen Vorgänger Kent Kresa beerbte. Seinen Posten als Chief Financial Officer wird der 45-jährige Bush vorerst weiterführen, bis ein Nachfolger gefunden ist, hieß es aus der Zentrale in Los Angeles.

Die erneute Beförderung ist ein weiteres Kapitel im steilen und schnellen Aufstieg des Wesley Bush beim – nach Auftragsvolumen – drittgrößten Rüstungskonzern der Vereinigten Staaten.

Vorstandschef Sugar lobt den neuen Präsidenten typisch amerikanisch in den höchsten Tönen: „Er hat als Finanzvorstand einen herausragenden Job gemacht, unsere Finanzkontrollen und -prozesse verbessert, wichtige Initiativen zur Umstrukturierung des Kapitals angestoßen, darunter die jüngsten beschleunigten Aktienrückkäufe, und Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit vorangetrieben. In seiner neuen Rolle können wir seine Talente noch breiter nutzen und unseren Fokus noch stärker auf künftiges Wachstum richten.“ Auch hofft Sugar, dass Bush ihn entlastet.

Der neue Kronprinz ist von Haus aus Elektroingenieur mit Abschluss der Elite-Universität MIT. Bush kam 2002 in den Konzern, als Northrop die britische TRW Aeronautical Systems übernahm. Dort hatte er seit 1987 in verschiedenen Technik- und Managementpositionen gearbeitet. Bei Northrop wurde er Chef der Raumfahrt-Division und stieg im vergangenen Jahr zum Finanzvorstand auf.

Bush wird sein Hauptaugenmerk künftig wohl nicht mehr auf die Finanzmärkte in New York richten wie bisher, sondern auf die Politik in Washington. Denn er tritt seinen Posten in politisch problematischer Zeit an.

So bittet Northrop derzeit den US-Senat um 500 Millionen Dollar Entschädigung, nachdem Hurrican Katrina vergangenes Jahr Werften des Konzerns an der Golfküste schwer beschädigt hatte. Ein zähes Ringen: Demokratische und republikanische Abgeordnete sind geteilter Meinung, ob die Hilfe gewährt werden sollte. Northrop warte das Ergebnis einer Untersuchung des Senats ab, verweigert sich Vorstandschef Sugar jedes Kommentars.

Und dann gibt es da noch Northrops Versuch, zusammen mit der europäischen EADS einen 50 Milliarden Dollar schweren Lufttanker-Auftrag zu erringen – und das gegen den Rivalen Boeing, dem Platzhirsch in diesem Segment.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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