Nachfolger von Fazio
Vizepräsident von Goldman Sachs wird neuer Zentralbankchef in Italien

Die italienische Regierung hat wie erwartet den Investmentbanker Mario Draghi als neuen Präsidenten der Banca d'Italia vorgeschlagen. In der noch laufenden Kabinettssitzung sei Draghi für die Nachfolge des zurückgetretenen Notenbankpräsidenten Antonio Fazio nominiert worden.

HB ROM. Finanzexperte Draghi (58) ist ein international erfahrener Banker. Er arbeitet derzeit als Vizepräsident bei der Privatbank Goldman Sachs in London. In den 90er Jahren war er Generaldirektor im römischen Finanzministerium und maßgeblich an der Privatisierung italienischer Staatsunternehmen beteiligt. Bereits zuvor war der aus Rom stammende Draghi für die italienische Zentralbank tätig. Erste internationale Erfahrungen sammelte er in den 80er Jahren bei der Weltbank in Washington. Draghis erster internationaler Auftritt als Gouverneur sei beim Finanzministertreffen der G-8-Staaten im Februar in Moskau geplant.

Gegen seinen Vorgänger Antonio Fazio ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Sommer wegen Verwicklung in Bankenskandale ermittelt. Es geht um Amtsmissbrauch und Insidergeschäften im Zusammenhang mit Übernahmekämpfen insbesondere um die italienische Bank Antonveneta. Er soll ausländische Bewerber benachteiligt haben. Wichtigste Aufgabe Draghis sei es, das Vertrauen in die Banca d'Italia wieder herzustellen, heißt es in Rom.

Der Ernennung des neuen Zentralbankers, die Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi offiziell besiegeln muss, war ein monatelanges Tauziehen vorausgegangen. Zeitweise hatte sich die Europäische Zentralbank eingeschaltet. Fazio, der 1993 auf Lebenszeit ernannt worden war, widersetzte sich über Monate Rücktrittsforderungen der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Erst als sich der Bankenskandal immer mehr ausweitete, entschloss er sich kurz vor Weihnachten zum Rückzug.

Um die Machtfülle des Zentralbankgouverneurs zu beschneiden, hatte das Parlament jüngst im Eiltempo ein neues Gesetz verabschiedet: Demnach beträgt die Amtszeit sechs Jahre und kann nur einmal verlängert werden. Bei wichtigen Entscheidungen stimmt die gesamte Zentralbankführung ab. Zudem wacht die Zentralbank künftig nicht mehr allein über Wettbewerbsfragen.

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