Nachgefragt: Christian Scholz
„Allenfalls Henker, keine Lenker“

Früher reichte die Bezeichnung Personalwesen, heute heißt es Personalmanagement. Wo steht Personalarbeit heute?

Scholz: Vor fünf Jahren waren wir schon wesentlich weiter. In vielen Unternehmen genießt die Personalarbeit bei weitem nicht mehr den Stellenwert, den sie haben müsste: Gerade bei der aktuellen Konjunktur wird der Mitarbeiter oft nur als Kostenverursachungsfaktor gesehen. Und deshalb versucht man auch, die Personalarbeit zu minimieren. Alles was nicht unmittelbar auf Kostensenkung abzielt, wird radikal abgebaut. Seriöse Personalentwicklung und langfristige Personalstrategien sind in vielen Unternehmen out. Das ist ein katastrophaler Fehler mit fatalen Langfristfolgen. Mein Fazit: Die Personalabteilung fungiert als Henker, nicht als Lenker.

Welche Aufgaben kann denn das Personalmanagement übernehmen?

Personalmanagement deckt auf der operativen Ebene die gesamte Prozesskette von Beschaffung über Entwicklung bis zur Freisetzung ab. Dies kann man primär als Administration sehen. Man muss es aber auch als Wertschöpfung sehen, denn es geht nicht mehr nur darum, eine Anzeige zu schalten, sondern am Arbeitsmarkt einen Mitarbeiter -Wertbeitrag aufzubauen. Letzteres kommt aber zu kurz.

Das ist die kurzfristige Sicht – und langfristig?

Das Personalmanagement müsste sich auf strategischer Ebene mit grundsätzlichen Fragen auseinander setzen. Dazu gehört auch die Festlegung von Stammplatzgarantien. Wenn das Personalmanagement es hier schafft, eine positive Kultur aufzubauen, ist dies ein deutlicher Wertschöpfungsbeitrag. Damit verbunden ist zur Zeit die Feststellung, dass der Mitarbeiter selber für seine Personalentwicklung die Hauptverantwortung trägt.

Welche Produktivkräfte sind im Personalmanagement noch zu entfesseln?

Hier läuft der Trend in die falsche Richtung. Unternehmen sehen in der Personalarbeit eine beliebig austauschbare Aktivität, die man wie eine Glühbirne im Baumarkt kaufen kann. Die Idee, durch ein überlegenes Personalmanagement einen Wettbewerbsvorteil zu gewinnen, geht leider verloren. Daher auch die Initiativen, Personalarbeit outzusourcen oder als zentraler Service operativ zu standardisieren. Man will im Regelfall Personalarbeit nicht besser, sondern billiger machen. Noch immer verschenken zu viele Unternehmen die Chance, die Personalabteilung zum strategischen Partner für Veränderungen zu machen. Sie nutzen sie nur für administrative Aufgaben, und fatalerweise fühlen sich manche Personaler auch noch wohl dabei.

Das Gespräch führte Hergen Riedel.

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