Nachgefragt
„Ein Vertrag mit einem Museum reicht aus“

Sieben Fragen zum Thema Kunst und Erbschaftsteuer an Jörg Wacker, Partner der Societät Dr. Ganteführer, Marquardt & Partner in Düsseldorf.

Handelsblatt: Warum lohnt es sich, Kunst gezielt und legal zu vererben?

Jörg Wacker: Kein Vermögensgegenstand wird im Erbschaftsteuerrecht so günstig behandelt wie die Kunst. Da kommt kein niedrig bewertetes Grundstück mit und erst recht nicht ein Wertpapierdepot.

Das wissen offenbar viele Sammler nicht.

Die Leute haben Angst davor, dass im Erbfall der Versicherungswert für eine erbschaftsteuerliche Bewertung herangezogen wird. Sie versuchen, die Steuer - gegebenenfalls auch illegal - zu vermeiden und gehen damit das Risiko einer Steuerstraftat ein. Von einer solchen Taktik kann man nur dringend abraten.

Welcher Wert dient als Bemessungsgrundlage für eine Besteuerung?

Ausgangspunkt ist ein Durchschnittsauktionswert als Hammerpreis. Davon gehen erhebliche Abschläge wie beispielsweise die Provision des Einlieferers und weitere Nebenkosten ab. Auch Abschläge für Kunstpakete oder sog. Mittelware drücken die Bewertung, sodass man auf eine niedrige Bemessungsgrundlage kommt.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es im Erbfall?

Unter bestimmten Voraussetzungen können Kunstgegenstände von der Erbschaftsteuer gänzlich befreit werden oder von einer 60-prozentigen Ermäßigung profitieren. Beide Varianten setzen voraus, dass die Erhaltung der Kunst im öffentlichen Interesse liegt. Die 60-Prozent-Regelung greift, wenn die Kunst binnen zehn Jahren nach dem Erbfall nicht veräußert wird. Für eine 100-prozentige Befreiung muss die Kunst darüber hinaus seit 20 Jahren in Familienbesitz sein. Außerdem muss sich der Steuerpflichtige bereit erklären, die Gegenstände den Bestimmungen des Denkmalschutzes zu unterstellen.

Was genau verbirgt sich hinter der Formulierung "öffentliches Interesse"?

Die 60- und die 100-Prozent-Ermäßigung verlangen, dass diese Kunstgegenstände in einem den Verhältnissen entsprechenden Umfang den Zwecken der Forschung oder der Volksbildung nutzbar gemacht werden. Der Sammler kann etwa sein Haus Kunstinteressenten öffnen oder Kunst als Leihgabe in ein Museum geben. Ein Kooperationsvertrag mit dem Museum reicht auch aus.

Das eröffnet auch Möglichkeiten für den zukünftig vererbenden Sammler?

Man kann große Vermögen völlig an der Erbschaftsteuer vorbeiführen, wobei es den Erben belassen bleibt, nach Ablauf der Bindungsfrist von zehn Jahren das Kunstwerk wieder zu Geldvermögen zu machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%