Nachgefragt
„Es fehlt das Bewusstsein in Deutschland“

Das Handelsblatt spricht mit Michael Otto über Corporate Social Responsibility. Der Vorstandsvorsitzende der Otto-Gruppe berichtet seit 2000 ausführlich über das CSR-Engagement.

Handelsblatt: Ihr Versandhaus gilt seit Ende der 80er-Jahre als CSR-Pionier. Sie sparen zum Beispiel bei T-Shirts aus Bio-Baumwolle 15 Prozent gegenüber konventionellen Produkten. Ist Otto bereits ein nachhaltiges Unternehmen?

Otto: Unsere Stärke liegt darin, dass wir in enger Partnerschaft mit unseren Lieferanten schon große Fortschritte in der Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards in der Produktion von Konsumgütern erzielen konnten. Das Gleichgewicht zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten muss aber täglich neu gefunden werden. So werden wir beim Einsatz natürlicher Ressourcen wie Holz oder Baumwolle noch stärker darauf achten, dass diese aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammen.

Was muss ein Unternehmen tun, um von sich sagen zu können, es wirtschafte im Sinne von CSR?

Ein Unternehmen muss sich heute systematisch mit den Auswirkungen seiner Tätigkeit auf seine Umwelt, auf die beteiligten Menschen und auf die Gesellschaft insgesamt auseinander setzen. Es muss Konzepte entwickeln, um negative Auswirkungen seines Handelns zu minimieren und um Chancen zu nutzen. Hierüber muss es Transparenz herstellen und gesellschaftliche Kontrolle zulassen. Das heißt noch nicht, dass es insgesamt schon nachhaltig wirtschaftet. Aber der Weg dorthin muss klar sein.

Wie weit sind deutsche Unternehmen dabei?

In Deutschland wird zum Teil viel mehr geleistet als in anderen Ländern, weil bei uns auf Grund gesetzlicher Regelungen vieles selbstverständlich ist. Die notwendigen Kooperationen im Unternehmen und über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus müssen wir vielfach noch lernen, und auch im Berichtswesen können wir uns von den Unternehmen in den angelsächsischen Ländern noch etwas abschauen.

Können es sich auch börsennotierte Konzerne leisten, in CSR zu investieren, ohne dass sie nachweisen können, dass es sich lohnt?

Langfristig wird sich nachhaltiges Wirtschaften immer rentieren. Der Weg dorthin ist nicht frei von unternehmerischen Risiken. Ein Unternehmen, das keine Risiken einzugehen bereit ist, wird langfristig ohnehin nicht bestehen können.

Warum bekennen sich aber die meisten Unternehmen erst unter Druck von außen zu CSR?

Es fehlt in Deutschland noch an dem Bewusstsein. Ich würde mir unter anderem eine breitere und tiefer gehende Berichterstattung über CSR-Themen gerade auch in der Wirtschaftspresse wünschen, um dieses Bewusstsein zu bilden.

Die Fragen stellte Susanne Bergius.

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