Nachgefragt: Michael Leistikow
„Wir sind innovative Dienstleister“

Michael Leistikow ist Managing Partner von Lovells in Deutschland. Im Interview erklärt er, wie sich der Anwaltsmarkt verändert hat und wie Mandanten auf die neuen Aktivitäten reagieren.

Handelsblatt: Informationsräume im Internet, die IT-gestützte Verwaltung von Markenrechten und Krisen-PR gehören zu den Dienstleistungen, für die Ihr Haus aktiv bei Mandanten wirbt. Ist die Wirtschaftskanzlei Lovells auf dem Weg zum Gemischtwarenladen?

Michael Leistikow: Nein, selbstverständlich nicht. Aber der Markt, in dem wir arbeiten, hat sich massiv verändert. Wir bewegen uns immer weiter hin zum Dienstleister, der innovativen Full Service abbildet.

Wo ziehen Sie die Grenze, was macht Lovells eigentlich nicht?

Wir machen nach wie vor kein Familienrecht oder Verkehrsunfälle. Wir sind am High-End-Geschäft des Wirtschaftsrechts interessiert. Dazu müssen wir an der Spitze der Entwicklung stehen und selbst innovative Produkte entwickeln – idealerweise mit dem Mandanten.

Wie entscheiden Sie, was Teil des Lovells-Portfolios sein soll?

Das höchste Führungsgremium der Sozietät wacht über die Gesamtstrategie. Die Praxis- und Industriegruppen sind am nächsten an den Mandanten und entwickeln mit diesen das Beratungsangebot im Rahmen der übergeordneten Sozietätsstrategie fort. Abgesehen von Private Equity sind wir im gewerblichen Rechtschutz sehr stark. Dort sitzen wir als Berater in Regierungskommissionen, die das Wettbewerbs- und Markenrecht weiterentwickeln.

Und die Mandanten bezahlen für die Lobbyarbeit?

Nein, das stellen wir niemandem in Rechnung. Es ist eine Ehre, in solche Kommissionen berufen zu werden. Aber wir wissen aus dieser Arbeit früher als andere, wie Trends verlaufen und darauf stellen wir uns und unsere Mandanten ein.

Wie reagieren die denn, wenn eine Kanzlei plötzlich als Produktverkäufer auf sie zu geht?

Sehr positiv. Wenn wir bei Banken Fondsprojekte begleiten, hören wir: „Wenn Sie einen tolle Idee für ein Finanzprodukt haben, kommen Sie zu uns und wir machen das mit ihnen.“ Die Mandanten sind experimentierfreudiger geworden und nicht mehr zu 100 Prozent auf ihre Hauskanzleien fixiert.

Wie verhindern Sie, dass ihr Kerngeschäft nicht unter den außerplanmäßigen Aktivitäten leidet?

Wir wollen eine innovative Sozietät sein. Außergewöhnliche Aktivitäten wie unser neues Produkt Litigation PR bringen uns viel Aufmerksamkeit.

Sie entwickeln Produkte wie das Krisenreaktionsprogramm Litigation PR also vor allem, um Aufmerksamkeit zu erregen?

Nein, solche Angebote entstehen immer aus realen Fällen. Viele Unternehmen sind nicht auf Krisen vorbereitet und verschanzen sich hinter der Aussage „Kein Kommentar“. Erst dann suchen sie Experten. Bis die strategische Reaktion in Gang kommt, hat sich im Markt die Meinung festgesetzt, dass an den Vorwürfen schon etwas dran sein wird. Wir haben das Produkt zusammen mit der Agentur Kompassion Group und Mandanten entwickelt, die von solchen Krisen betroffen waren. Öffentlichkeitsarbeit und juristische Arbeit sind bereits vor der Krise eingespielt. Wir verlieren daher keine Zeit mit Teambildung.

Die Fragen stellte Lars Reppesgaard.

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