Nachgefragt
„Nur drei Viertel der Arbeit stehen fest im Plan“

Martin Schmitt, Bereichsleiter Konzern-Personalpolitik und -Services bei Lufthansa, nimmt im Handelsblatt-Interview Stellung zu Personalmanagement als Produktivkraft und Flexibilität.

Ist das Personalmanagement eine Produktivkraft, um Krisen zu überwinden?

Das Personalmanagement als zentrale, krisenüberwindende Produktivkraft zu sehen, würde seine Rolle überzeichnen. Es ist ein Katalysator für Prozesse, die in Krisenzeiten umgesetzt werden. Die Attentate vom 11. September in New York, die Sars-Epidemie in Asien oder der Irak-Krieg bedeuteten für die Lufthansa raschen operativen Handlungsbedarf. Alle Bereiche mussten kurzfristig und flexibel reagieren. Das Personalmanagement leistete dabei einen wichtigen Beitrag.

Wie flexibel ist die Lufthansa?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir schon mit den klassischen Handwerkzeugen des Personalmanagements ein umfassendes Steuerungsvermögen besitzen. In der Folge des 11. September konnten wir die Instrumente Teilzeitarbeit und Unbezahlten Urlaub einsetzen, um das Arbeitsvolumen zu reduzieren – ohne Mitarbeiter zu entlassen.

Allen Personalverantwortlichen im Konzern stehen Instrumente zur Arbeitszeitflexibilisierung zur Verfügung. Wir haben Beispiele und Regeln zusammengefasst. Auf diese Datenbank können die HR-Bereiche zugreifen, um die einzelnen Module für sich anzupassen.

Welchen Spielraum lässt die Krise für die Personalentwicklung?

Wir mussten zwar einige Personalentwicklungsprogramme aussetzen. Sonderprogramme für High Potentials sowie die Ausbildung von jungen Mitarbeitern haben wir aber beibehalten, damit wir auch nach der Krise qualifiziertes Personal an Bord haben.

Welches Flexibilitätsmodell ist typisch Lufthansa?

Im Rahmen der maximal zulässigen Einsatzzeit pro Monat wird bei Lufthansa- Cockpit- und Kabinenmitarbeitern lediglich ein Teil dieser Arbeitsleistung durch eine garantierte Grundvergütung abgegolten. Dazu gibt es eine Art Flexibilitätszone im Umfang von bis zu 25 Prozent. In diesem Bereich werden Flugstunden und Arbeitsleistungen, die über die Grundvergütung und die ihr entsprechenden Einsatzzeiten hinausgehen, abgerufen und variabel vergütet. Damit wird also maximal ein Viertel der Leistungen nur dann erbracht und entlohnt, wenn die entsprechende Arbeit auch tatsächlich anfällt. Etwa drei Viertel der Arbeit stehen sicher im Flug-Plan. Der Rest wird durch außerplanmäßige Höhen und Tiefen im Flugaufkommen bestimmt.

Die Fragen stellte Hergen Riedel.

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