Nachgefragt: Paul Achleitner: Achleitner: „Wir sind fast da, wo wir hin wollen"

Nachgefragt: Paul Achleitner
Achleitner: „Wir sind fast da, wo wir hin wollen"

Das Handelsblatt im Gespräch mit Paul Achleitner, Vorstand der Allianz.

Herr Achleitner, Sie haben in den vergangenen Woche wichtige Industrie-Beteiligungen abgebaut. Lassen Sie künftig die Finger von Aktien?

Wir werden auch in Zukunft in Aktien investieren, allerdings in einer Größenordnung, die bei einer Aktienquote von etwa zehn Prozent liegen wird. Da unsere Anlagepolitik primär von den Verpflichtungen aus dem Versicherungsgeschäft getrieben ist, bietet uns diese Allokation im vorhandenen Portfolio eine optimale Risikodiversifikation.

Wo stehen Sie denn momentan?

Derzeit liegt unsere Aktienquote wirtschaftlich betrachtet bei unter 13 Prozent. Wir sind also fast da, wo wir hin wollen. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag die Aktienquote in der Spitze bei fast 30 Prozent.

Wann wollen Sie das Ziel von zehn Prozent erreichen?

Da machen wir keine Ankündigung. Denn wir wollen uns nicht in unvernünftiger Weise als vorhersagbar darstellen. Wir haben bereits in den vergangenen fünf Jahren massiv Beteiligungen abgebaut, ohne den Markt verrückt oder gar kaputtzumachen. Alleine im Bereich Industriebeteiligungen haben wir 30 Mrd. Euro bewegt. Das haben wir, so finde ich, ruhig und auch gegen schwierige Marktgegebenheiten umgesetzt.

Wie groß sind denn die Beteiligungen, die Sie noch verkaufen müssen, um auf eine Aktienquote von zehn Prozent zu kommen?

Das ist zunächst einmal ein Volumen von etwa vier Mrd. Euro. Da sind nicht in erster Linie Dax-Werte betroffen. Um es klar zu machen: Das heißt auch nicht, dass wir dieses volumen zwangsläufig komplett und oder in absehbarer Zeit abbauen werden. Die Zehn-Prozent-Marke ist eine Richtschnur - das Portfolio muss atmen können. Und wenn wir reduzieren, dann machen wir keinen Schlussverkauf, sondern gehen systematisch und verantwortungsbewusst vor.

Die Beteiligungen wurden in den vergangenen fünf Jahren aber nicht kontinuierlich reduziert. Es ging doch in Wellen auf und ab?

Natürlich. Wir wollten ja nicht zu Unzeiten ungeschickt agieren. Im Moment ist die Liquidität der Märkte und die Wertentwicklung gut. Wir glauben zudem, dass da noch ein wenig mehr drin sein kann. Unsere indexorientierte Anleihe etwa ist so konzipiert, dass wir mögliche überdurchschnittliche Steigerungen bei BMW, Siemens oder Münchener Rück auch mitnehmen können.

Die Dresdner Bank hat Aktien von Münchener Rück und Allianz für drei Mrd. Euro verkauft. Warum?

Dieses Kapital war bisher in der Bilanz der Dresdner Bank gebunden und hat keine Erträge gebracht, sondern ausschließlich Kosten verursacht. Jetzt haben wir allein aus dem Verkauf von Allianz-Aktien 1,5 Mrd. Euro in bar.

Bleibt das Kapital denn bei der Dresdner Bank?

Wir glauben, dass die Bank interessante Wachstumschancen hat und dafür Kapital braucht. Aber wir optimieren innerhalb des Konzerns unsere Kapitalallokation. Alle Gesellschaften im Konzern stehen in einem Wettbewerb um Kapital zur Finanzierung von Wachstum. Das gilt für die Dresdner Bank ebenso wie für alle anderen Gesellschaften der Allianz-Gruppe.

Ist das Bekenntnis der Allianz zur Dresdner Bank jetzt stärker?

Ich glaube nicht, dass unser Bekenntnis überhaupt der Stärkung bedurfte. Das Bekenntnis könnte nicht stärker sein. Die Dresdner Bank ist ein wesentlicher Bestandteil der der Allianz-Strategie. An dieser strategischen Grundhaltung haben wir immer und konsequent festgehalten - unabhängig von zeitweilig widrigen Marktgegebenheiten und großen Herausforderungen für das Management.

Die Allianz baut nicht nur den Industriebesitz um. Wie steht es mit den operativen Konzerngesellschaften?

Es gibt ein aktives Portfolio-Management. Allein im letzten Jahr haben wir 60 bis 70 Transaktionen gemacht, kleinere und größere. Das wird weitergehen. Wir trennen uns nicht nur von Geschäften, es werden auch immer wieder neue Firmen gegründet und neues Geschäft aufgebaut. Das ist ein fortlaufender Prozess.

Planen Sie auch Akquisitionen?

Das haben wir in den letzten Jahren gemacht und das hat uns starke Marktpositionen verschafft. Dieses Potenzial für internes Wachstum wollen wir nun verstärkt ausschöpfen. Die primäre Ausrichtung ist daher Wachsen aus eigener Kraft. Aber das soll nicht heißen, dass wir gute Angebote nicht sehr genau prüfen. Nach großen Zukäufen halten wir aber nicht Ausschau.

Die Fragen stellen Caspar Busse und Hermann-Josef Knipper.

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