Nachhaltigkeit
Unternehmen verschweigen Klimastrategie

Der Klimawandel hat die deutschen Unternehmen noch nicht erreicht - zumindest was die Information der Aktionäre angeht. Etliche Firmen verschweigen ihren Anteilseignern wichtige Daten ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, sagt die internationale Investoreninitiative CDP.
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BERLIN. Noch immer gibt die Hälfte der 200 nach Marktkapitalisierung größten deutschen Unternehmen ihren Aktionären keine Information über Emissionen und Klimastrategien. Vor allem Firmen aus den Börsensegmenten MDax und SDax zählen dazu. Asiatische Firmen dagegen informieren zu 68 Prozent ihre Anteilseigner, bei den 300 größten europäischen Konzernen sind es sogar 82 Prozent. Das ergab die diesjährige Umfrage der weltweit größten Investoreninitiative Carbon Disclosure Project (CDP) unter 3 700 Konzernen.

Hinter dem CDP stehen 475 institutionelle Investoren aus aller Welt. Von der Analyse der Unternehmensdaten versprechen sich die Investoren eine Einschätzung, wie gut die Firmen auf den Klimawandel vorbereitet sind und wie sie ihren Ausstoß von Treibhausgasen managen.

Die Information darüber ist hinsichtlich Qualität und Quantität höchst unterschiedlich. „Die in Deutschland zunehmende Schere zwischen den gut Berichtenden und denen, die gar nicht berichten, bereitet uns Sorge“, sagt Caspar von Blomberg, CDP-Geschäftsführer Deutschland. „Letztere haben noch nicht erkannt, dass sich die ökonomischen Rahmenbedingungen durch den Klimawandel fundamental ändern, was dramatische Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben wird.“ Experten wie Carlo Jäger vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) bestätigen, dass sich ausländische Unternehmen länger und intensiver mit Emissionen und Klimastrategien befassen – daran habe sich auch in der Krise nichts geändert.

Zu denen, die bei diesjährigen Umfrage erneut schwiegen, gehören BayWa, Fielmann, Infineon, Praktiker, Südzucker, Versatel und Investitionsgüterhersteller wie Bilfinger Berger, Deutz, Indus, die Klöckner-Werke, Sartorius und Techem. Dagegen haben Continental und Draegerwerk ihre 2008 im Handelsblatt geäußerte Ankündigung wahrgemacht und Daten offengelegt. Das CDP hat die Firmen gemeinsam mit dem Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) und der Umweltorganisation WWF befragt. Nur vier Prozent der befragten deutschen Firmen berichteten vollständig über die Risiken für ihr Unternehmen und die finanziellen Konsequenzen, bemängelt Studienautor Alexander Bassen von der Uni Hamburg.

Mit dem „Carbon Disclosure Leadership Index“ zeigt die Initiative traditionell die 50 transparentesten der 500 weltgrößten Konzerne. Dazu gehören Allianz, BASF, Bayer, BMW, RWE und Siemens. Doch misst dieser Index nur, wie gut die Berichterstattung ist – die Leistungen der Firmen hinsichtlich Klimaschutz tauchen darin nicht auf.

Doch hat das CDP in diesem Jahr erstmals auch die Leistungen unter die Lupe genommen. Allianz, BASF und Siemens erhielten Top-Werte. Hingegen sie Behauptung der Bayer AG, sie sei als „weltweit bestes Unternehmen im Klimaschutz ausgezeichnet“, nicht haltbar, kritisiert die Investoren-Initiative.

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