Nadja Swarovski-Adams sorgt beim österreichischen Kristallhersteller für ein frisches Image
Das Gesicht von Swarovski

Auf ihrer Visitenkarte mit dem stilisierten Schwan steht schlicht: „Vice President of International Communications“. Das klingt nach Untertreibung. Denn Nadja Swarovski-Adams ist Ideengeberin, Motivatorin und oberste Verkäuferin des österreichischen Kristallherstellers Swarovski. Für das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ ist sie das Gesicht des 115 Jahre alten Familienunternehmens.

LONDON. Die 35-Jährige hat es geschafft, dem alten und verschlossenen Konzern ein neues junges Image zu geben. Swarovski, lange bekannt für seine kleinen – manche sagen kitschigen – Kristallfigürchen, steht heute auch für Strasssteinchen auf Designerroben, funkelnde Brillengestelle oder glitzernde Kronleuchter. Modern und „cutting edge“ nennt sie selbst die gewünschte Positionierung: in der Vorreiterrolle.

Mitarbeiter und Geschäftspartner erzählen, dass die Tochter des Vorstandsvorsitzenden der Gruppe, Helmut Swarovski, gerne durch die Londoner Büroräume wirbelt und ihre Projekte mit Nachdruck vorantreibt. „Ich mache meine Arbeit mit Leidenschaft“, sagt die etwa 1,80 große, schlanke Frau dazu. „Es bedeutet für mich eine große Freiheit, das zu tun, was ich tun möchte.“

Diese Freiheit suchte sie nicht in der Zentrale des Familienunternehmens im beschaulichen Örtchen Wattens nahe Innsbruck. Sie zog es mitten ins turbulente London in die Nähe von Oxford Circus, wo sie eine Geschäftsstelle aufgebaut hat.

Dass sie mit ihren Wurzeln nichts zu tun haben will, weist die gelernte Kunsthistorikerin aber schnell von der Hand. „Ich fahre gerne nach Wattens. Wer hat schon das Glück, nach Hause fahren zu können, wenn er auf Geschäftsreise geht?“

Trotzdem ist sie froh, nicht im familiären Klüngel arbeiten zu müssen. In London könne sie sich auf das Wesentliche konzentrieren, sagt sie. Möglich, dass die Bewohner ihrer Heimatstadt sie ohnehin als etwas abgehoben empfinden: Extrovertiert, zuweilen aufgeregt, eine lebhafte Erzählerin, die dabei mit Anglizismen um sich wirft und lebhaft gestikuliert. Die „New York Times“ nennt sie das „hipste“ Mitglied der Swarovski-Familie.

In Großbritannien sei sie weit entfernt von den Spannungen, die es nun mal in jedem Familienunternehmen gebe, räumt sie ein. Dafür sorgen 60 Familiengesellschafter, davon sitzen 16 im Management. Der Gründer des Unternehmens, Daniel Swarovski, Nadjas Ur-Ur-Großvater, hatte verfügt, dass seine drei Söhne ihre Anteile nur innerhalb der Familie weitergeben dürfen. So gibt es noch heute drei weit verzweigte Stämme, die sich mal mit den engsten Verwandten, mal mit denen der anderen Gruppen in den Haaren liegen.

Inzwischen hat die fünfte Generation das Ruder übernommen: Der 31-jährige Markus Langes-Swarovski repräsentiert den gesamten Konzern, der neben Kristallen auch Schleifmittel und Optik (Ferngläser, Teleskope) herstellt, als Vorstandssprecher nach außen. Er ist Vertreter des größten Anteilseigners. Nur Nadjas Vater, der als Vorstandsvorsitzender das operative Geschäft der Gruppe steuert, zählt noch zur älteren Garde.

Ob Nadja automatisch nachrückt, wenn ihr 63-jähriger Vater sich zurückzieht, lässt sie offen. „Mein Vater ist jung und gesund.“ Man könne nicht sagen, wann und ob er überhaupt aufhöre.

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