Name und Netzwerk bringen das Geld
Promis als Anwälte

Sollte US-Präsident George W. Bush in Deutschland einen Anwalt suchen, er würde sicher nicht zu Schneider-Schwegler gehen. Die Berliner Kanzlei vermeldete kürzlich prominenten Neuzugang: die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin - jene SPD-Frontfrau, die ihr Amt verlor, weil sie Bush nur schlecht verklausuliert mit Hitler verglichen hatte.

HB DÜSSELDORF. Doch Bush dürfte auch einen anderen prominenten Kollegen finden, der sich seiner annimmt. Politiker in Robe - daran herrscht hier zu Lande nämlich kein Mangel. Nicht die forensische Kompetenz steht dabei im Vordergrund. Name und Netzwerk bringen das Geld. "Lobbying", sagt Christoph H. Vaagt, Geschäftsführer Deutschland bei der Kanzleiberatung Hildebrandt, "wird in deutschen Sozietäten zunehmend als Angebot an die Mandanten entdeckt."

Beziehungen einsetzen, Türen öffnen, Widerstände abbauen oder geheimes Wissen nutzen - all das ist bares Geld wert. Politiker mit Anwaltszulassung werden denn auch von deutschen Kanzleien geschätzt. Aktuellstes Beispiel ist der von seinem Amt als Unionsfraktionsvize zurückgetretene Friedrich Merz. Seit 2002 Mitglied der Kanzlei Cornelius, Bartenbach, Haesemann & Partner (CBH) in Berlin hat er dort zwar immer schon nebenher gearbeitet. "Nicht jeden Tag natürlich, aber schon einmal in der Woche", sagt Ernst Eisenbeis, Partner bei CBH. Merz? Name war aber vor allem auch profitables Prestige.

Jetzt erhofft man sich von seinem teilweisen Rückzug aus der Politik noch deutlich mehr lukrative Wirtschaftsmandate. "Friedrich Merz", sagt Eisenbeis, "ist natürlich ein hervorragender Door-Opener."

Türöffner - diese Qualität wird auch einem anderen CDU-Mann zugeschrieben, der nicht mehr im Rampenlicht der Politik steht. Matthias Wissmann (CDU), ehemals Verkehrsminister, soll ebenfalls dick im Lobbying-Geschäft sein. Er gehört seit 1999 der internationalen Anwaltsfirma Wilmer Cutler Pickering LLP an - und setzt dort offenbar seine guten Verbindungen in die Politik Gewinn bringend für die Kanzlei ein. "Der Wissmann", bestätigt ein Kenner der Anwaltsszene, "hat ein exzellentes Netzwerk."

Etwas, das auch Gregor Gysi nachgesagt wird. Der hat sein Büro in Berlin-Charlottenburg bei Panka Venedey Kolloge Langer. Zu seinem Wert als Kontakter für die Sozietät will der sonst so beredte PDS-Mann aber nichts sagen. "Kein Kommentar", heißt es in seinem Büro.

Dabei ist Branchenkennern längst klar: Auf dem heiß umkämpften Beratermarkt setzen die Kanzleien zunehmend auch auf "weiche" Faktoren - wie Vitamin B und Insiderwissen. Bei Däubler-Gmelin dürften vor allem die noch frischen Kenntnisse aus ihrer Tätigkeit als Justizministerin die Kunden anlocken. "Als Mandant brauche ich eine Frau Däubler-Gmelin nicht im Landgerichtsprozess", sagt Berater Vaagt. "Sondern wenn es um zukünftige Gesetzgebungsvorhaben geht. Die kennt die doch alle."

Und sie weiß , wie Politik funktioniert. Genauso wie Otto Graf Lambsdorff. Obwohl in seiner aktiven Politphase nie als Anwalt tätig, greift er jetzt seit ein paar Jahren ins Rechtsberatungsgeschäft ein. Bei Taylor Wessing in Berlin wirft er vor allem seine wirtschaftspolitische Kompetenz in die Waagschale. "Mein Onkel betreibt zwar nicht das prozessuale Geschäft", sagt Neffe und Sozius Konstantin Graf Lambsdorff. "Aber er begleitet Fälle und bringt seine wirtschaftlichen Vorstellungen mit ein."

Außerdem schätzt man bei Taylor Wessing Lambsdorffs "Eisbrecher"-Qualitäten. "Wenn wir in vorprozessualen Verhandlungen auf Granit beißen, ebnet er uns den Weg in die Vorstandsetagen eben bedeutend schneller."

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