Nancy Pelosi
Die mächtigste Frau der USA

Sie wird in in den nächsten zwei Jahren die Gegenspielerin von Präsident George W. Bush und die politisch mächtigste Frau in den USA sein: Nancy Pelosi dürfte nach dem Wahlsieg der Demokraten als erste Frau auf den einflussreichen Posten des Präsidenten (Speaker) der Abgeordnetenkammer rücken.

HB/mzi WASHINGTON. Nancy Pelosi hat großen Anteil daran, dass die Demokraten nach zwölf Jahren die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobert haben. Seit sie vor vier Jahren Richard Gephardt im Fraktionsvorsitz ablöste, hat die 66-jährige Abgeordnete aus Kalifornien die traditionell eher zersplitterte demokratische Parlamentsfraktion mit großer Autorität geführt. Die Zahl der Abtrünnigen bei Abstimmungen war so gering wie seit den 50er-Jahren nicht mehr. Ihrer eisernen Strategie war es auch zuzuschreiben, dass Bush mit seiner Reform der sozialen Sicherung scheiterte.

Unermüdlich unterstützte Pelosi die Kongresskandidaten ihrer Partei und sammelte allein im zurückliegenden Wahlkampf für die Bewerber 59 Millionen Dollar an Spendengeldern. „Niemand hat härter gearbeitet, um uns aus der Wüste zu führen“, lobte die Abgeordnete Anna Eshoo die künftige Parlamentspräsidentin, die in diesem Amt den Republikaner Dennis Hastert ablösen wird.

Der politische Aufstieg Pelosis ist nach dem Urteil von Freunden kein Zufall. „Sie hat sich in der immer noch größtenteils von Männern beherrschten Welt der Politik durchgesetzt“, sagte Charles Pottruck, ein Freund der Politikerin, vor einigen Jahren. Das Talent zur Politik scheint Pelosi in die Wiege gelegt worden zu sein. Schließlich entstammt sie einer Politikerfamilie. Ihr Vater war während des Zweiten Weltkriegs Kongressabgeordneter. Er und ihr Bruder bestimmten außerdem mehrere Jahre als Bürgermeister die Geschicke von Baltimore.

Die politische Arbeit begann für Pelosi als freiwillige Helferin bei den Demokraten in Kalifornien. Dorthin hatte es sie nach der Heirat mit dem aus San Francisco stammenden Paul Pelosi verschlagen, der mit Immobiliengeschäften sein Geld verdient. 1976 beriet sie den damaligen kalifornischen Gouverneur Jerry Brown bei dessen Präsidentschaftskandidatur. Danach arbeitete sie im Bundesvorstand der Demokraten, wurde Parteivorsitzende in Kalifornien und bemühte sich später erfolglos um den Vorsitz auf Bundesebene.

Eine Karriere als Parlamentarierin hatte Pelosi aber trotz ihrer Parteiarbeit zunächst nicht im Sinn. Die begann Anfang 1987, als sich Pelosi nach einigem Zögern bereit erklärte, sich um einen Sitz im Repräsentantenhaus zu bewerben. Im Juni desselben Jahres wurde sie dann mit 62 Prozent der Stimmen in den Washingtoner Kongress gewählt. Seither vertritt sie den achten Distrikt Kaliforniens mit seinem Zentrum San Francisco – einen der liberalsten und sichersten demokratischen Wahlkreise der USA. Pelosi hat mit ihren Standpunkten zu Abtreibung, Waffenbesitz, Irak oder der Steuerpolitik auch stets versucht, ihre Klientel zu bedienen – auch wenn dieser das oft noch nicht genügend liberal oder links war. So forderten die Linken gegen Bush ein Amtsenthebungsverfahren wegen dessen Irak-Politik. Doch dazu war Pelosi – trotz starker Worte gegen den Präsidenten – nicht bereit.

In ihrem künftigen Amt als Speaker bestimmt Pelosi in großen Teilen die politische Agenda im Parlament. Es ist das dritthöchste politische Amt in den USA nach dem des Präsidenten und des Vizepräsidenten. Fest an ihrer Seite wird Rahm Emanuel stehen. Der Abgeordnete aus Illinois hat den erfolgreichen Wahlkampf der Demokraten organisiert und wird künftig wohl für die Geschlossenheit der Fraktion sorgen.

Obwohl Pelosi erst noch von den Abgeordneten gewählt werden muss, hat sie sich offenbar bereits mit ihrer neuen, etwas staatstragenderen Rolle angefreundet. Sie werde die Republikaner fairer behandeln, als diese bisher mit den Demokraten umgegangen seien, meinte sie nach dem Sieg ihrer Partei. Vor der Wahl hatte das noch anders geklungen. Nach einem Sieg der Demokraten wolle sie den „republikanischen Sumpf“ austrocknen, sagte sie mit Blick auf die jüngsten Sex- und Korruptionsaffären republikanischer Abgeordneter.

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