Nandan Nilekani krempelt die Branche um
Teil 2: Der Frontmann der Globalisierung

Er ist besessen von Geschäftsmodellen – und redet am liebsten von seinem eigenen: Infosys’ „globales Liefermodell“ dient Nandan Nilekani, dem Konzernchef des indischen Technologiekonzerns, als Glaubensbekenntnis.

BANGALORE. Den weltweiten Verkauf billiger IT-Dienste made in India preist er als fundamental neuen Ansatz. Der leiseste Verdacht, jemand verkenne die revolutionäre Kraft dieses Geschäftsmodells, lässt Nilekani mit dem Finger wackeln, den buschigen Schnurrbart hochziehen, „nein, nein, nein, nein!“ rufen und den Kritiker wie einen Schulbuben schelten, der das Einmaleins nicht begreift.

Der Infosys-Chef schlüpft gerne in die Rolle des kreativen Zerstörers. Er ist überzeugt, dass Indiens IT-Dienstleister die Spielregeln der Branche umgeschrieben haben. Die Offshoring-Welle markiert für ihn eine wirtschaftshistorische Zäsur: „Das ist eine destabilisierende Kraft, die den Weltmarkt aufrüttelt“, doziert er. „Alle Firmen spüren die Auswirkungen.“

In dem Eifer, mit dem sich der Sohn eines Textilmanagers an Verwerfungen und Umbrüchen berauscht, findet womöglich seine Jugend als linker Rebell einen späten, verzerrten Nachhall. Als Student während der 70er Jahren verfocht der angehende Elektroingenieur einen planenden Mutter-Staat als Garanten für gerechte Entwicklung. Heute richtet der 50-Jährige seinen umstürzlerischen Elan darauf, die IT-Branche mit Mitteln des globalen Kapitalismus umzukrempeln. Dessen Kraft schafft, was Indiens sozialistische Experimente schuldig blieben: „Die IT-Industrie hat dem Land weltweite Anerkennung eingetragen“, sagt Nilekani stolz. „Und sie schafft Millionen Jobs für junge, gebildete Menschen.“

Der mit Offshoring einhergehende Nivellierungsprozess verteilt den Reichtum von Nord nach Süd um und ist für ihn daher gerecht. Nilekani ist ein scharfer Denker und lässt gern wissen, dass er Ideenlieferant war für Thomas Friedmans Globalisierungs-Bestseller „Die Welt ist flach“.

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