Nasa-Chef Griffin
Der Shuttle-Terminator

Vor der Rückkehr des Spaceshuttles bereitet Nasa-Chef Griffin den Ausstieg aus dem überalterten Programm vor.

HB WASHINGTON. Humor hat er. „Ich frage mich, ob es bei mir zu Hause ein einziges Elektronikteil gibt, das 25 Jahre auf dem Buckel hat und noch funktioniert“, sinniert Michael Griffin dieser Tage. Und liefert die Antwort gleich mit: „Wohl kaum. Mit den Shuttles ist es genauso.“ Eleganter kann man seine Kritik vor der geplanten Rückkehr des Spaceshuttles aus dem All nicht formulieren. Seit Griffin Mitte April den Job als Nasa-Chef übernommen hat, wettert er gegen das greise Raumfähren-Programm. Zwei Sternenkreuzer sind bereits abgestürzt, drei der vier verbliebenen Flieger stammen aus den 80er-Jahren. Und die neueste Mission der „Discovery“ hat sich als eine einzige Serie aus Pleiten, Pech und Pannen entpuppt. Vor allem das große Stück Schaumstoffisolierung, das beim Start vom Außentank weggebrochen war, bereitet den Nasa-Technikern Kopfzerbrechen.

Ganz Amerika erinnert sich jetzt wieder bange an den „Columbia“-Absturz. Der Raumgleiter war am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht, weil sich ein Teil des Isoliermaterials in der Beschleunigungsphase gelöst und eine Hitzeschutzkachel beschädigt hatte.

Doch trotz aller Skepsis, auch durch ihn selbst – Griffin gibt sich gelassen, lächelt gerne und viel und sagt: „Ich sehe das völlig unemotional: Denken Sie einfach, ich sei Spock“, betont er in Anspielung an den Oberanalytiker aus der TV-Serie „Raumschiff Enterprise“.

Derlei Bemerkungen sind Beruhigungspillen in einer großen PR-Schlacht. Griffin will den angeknacksten Ruf der Nasa retten – mehr nicht. Auch die Ankündigung, den Spaceshuttle „Atlantis“ schon im September erneut ins All zu schicken, sollten alle Defekte der „Discovery“ aufgeklärt werden, ist nichts als ein taktisches Manöver. Was er wirklich denkt, ließ Griffin kürzlich in einem Interview mit NBC fallen: „Die Raumfähre ist eigentlich ein Experimentiervehikel.“

Das saß. Da war er wieder: Griffin, der Shuttle-Terminator. Jahrelang hatten die Nasa-Oberen den Traum vom Routineflug ins All geträumt. Alle ein bis zwei Wochen sollte eine Fähre zur internationalen Raumstation ISS düsen, lautete die Parole. „Das Potential für die Forschung an Bord der ISS ist beschränkt“, heißt es jetzt bei Griffin. Noch ein verbaler Sargnagel.

Der Nasa-Chef hütet sich allerdings davor, die Leute frontal vor den Kopf zu stoßen. Immerhin haben die internationalen Partner der Raumstation – also Europäer, Japaner, Kanadier und Russen – viele Milliarden Dollar in das Himmelsprojekt gesteckt. Aber in seinen Gesprächen im Weißen Haus und beim Kongress macht Griffin aus seiner Abneigung gegen die überalterte Shuttle-Flotte keinen Hehl. Das Programm schluckt fast ein Drittel seines rund fünf Milliarden Dollar umfassenden Jahresetats. Ursprünglich sollten 28 Einsätze bis zu der von Präsident George W. Bush für 2010 festgelegten Pensionierung der Weltraumdinos stattfinden. Griffin aber sagt, dieses Pensum sei kaum zu schaffen. Vermutlich werde es nur 15 Starts geben.

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