Natixis-Chef
Banker ohne Furcht und Tadel

Er hat den Job, den keiner haben wollte: Wochenlang hatten Headhunter ihre Telefonbücher abgegrast, um einen neuen Chef für Frankreichs darbende Investmentbank Natixis zu finden. Laurent Mignon, Ex-Manager der Allianz-Tochter AGF, hat schließlich den Schleudersitz angenommen – und die erste Feuertaufe gut bestanden. Dennoch steht er vor einer Herkules-Aufgabe.

PARIS. Die Börse klatschte Beifall als Laurent Mignon jüngst die Halbjahreszahlen der ins Trudeln geratenen genossenschaftlichen Investmentbank vorstellte. Gut, das war zum Teil auch Mignons Chef François Pérol geschuldet, der die Natixis-Mutter BPCE leitet. Pérol sagte zu, 85 Prozent der Verluste von Natixis zu übernehmen. Wie ein Mühlstein lastete bisher das 34 Milliarden Euro schwere Portfolio aus Schrottpapieren an der Bilanz. Diesen Klotz am Bein hat Pérol ihm nun abgenommen.

Damit hat Mignon den Rücken frei, Natixis ein neues Geschäftsmodell zu geben. Und das hat die Großkunden- und Investmentbank der beiden jüngst fusionierten genossenschaftlichen Bankengruppen Caisse d'Epargne und Banque Populaire (heute BPCE) bitter nötig. Ursprünglich wollten die Kreditgenossen mit Hilfe von Natixis im prestigeträchtigen Investment-Banking zu den Großen aufschließen. Groß war indes nur ihr Scheitern: Natixis ist die Bank mit den größten Krisenlasten unter allen französischen Banken.

"Natixis ist eine Riesenherausforderung, die dem Ehrgeiz von Laurent Mignon entspricht", sagt ein Bank-Manager. Die nötige Erfahrung für so ein Himmelfahrtskommando bringt der Rugby-Fan jedenfalls mit: Nach der Wirtschaftsuni HEC arbeitete er als Derivate-Experte beim Broker Indosuez, fädelte Übernahmen für Kunden der Bank Schroders in London ein und machte Karriere beim Versicherer AGF, einer Tochter der Allianz. Als ihm dort nach fulminanten Aufstieg die Chefweihen versagt blieben, schmiss er hin und heuerte beim Broker Oddo als Partner an. Die zweite Geige ist seine Sache nicht. An Selbstbewusstsein fehlt es dem Bank-Manager mit dem unstrukturierten Seitenscheitel nicht: Laut Finanzkreisen hat Mignon bei Natixis ein höheres Gehalt durchgedrückt als es sein Vorgesetzter Francois Pérol bekommt, letzterer muss sich mit 550 000 Euro pro Jahr begnügen. Dafür sind vielleicht auch die Herausforderungen größer: Mignon, der als Freund offener Worte bekannt ist, muss eine demotivierte Truppe aufrichten: "Die Leute haben keine großen Erwartungen, zu oft wurden hier schon Chefs gewechselt", sagt ein Natixis-Angestellter. Und dann muss er seinen Worten schnellstens Taten folgen lassen.

Auf drei Kernbereiche will er Natixis zusammenschmelzen: Investment-Banking, Vermögensverwaltung und Spezialfinanzdienstleitungen. Aber nur in der Vermögensverwaltung und etwa in Spezialbereichen wie Flugzeugfinanzierungen spricht Mignon noch davon, Natixis als Global Player aufzustellen. In der französischen Bankenlandschaft hat das Institut seinen Platz schon gefunden. Vor allem die Filialen der Banque Populaire von Natixis-Mutter BPCE sind hervorragend im französischen Mittelstand vernetzt - Kunden hat Natixis damit im Prinzip schon. Mignon muss sie nur noch mit den richtigen Produkten versorgen.

"Gelingt Mignon die Sanierung, stehen ihm in der Branche alle Türen offen", sagt ein Beobachter. Und das wäre wohl auch erforderlich sollte Mignon die Bank tatsächlich dauerhaft in die Gewinnzone führen. Analysten spekulieren, dass dann die Mutter BPCE mit Natixis fusionieren könnte, um an eine Börsennotierung zu kommen. In diesem Szenario wäre Mignon dann wieder nur leitender Angestellter und kein Chef mehr - und damit quasi Opfer seines eigenen Erfolgs. Aber bis dahin dürften noch einige Jahre verstreichen, und die Headhunter würden dann wohl auch sehr viel begeisterter in ihren Telefonbüchern wühlen und seine Nummer herauskramen.

Kurzvita

1963: Mignon wird am 28. Dezember in Paris geboren.

1986: Nach Abschluss der Wirtschaftsuni HEC in Lausanne und dem Stanford Executive Program steigt er als Optionshändler beim Derivate-Spezialisten Indosuez ein.

1988: Verantwortlich für Zinsderivate

1993: Vize-Chef von Financière Indosuez

1996: Wechsel zu Schroders nach London

1997: Wechsel zum Versicherer AGF als Finanzchef

1998: Aufstieg ins Exekutiv-Komitee

2006: Chef der Lebensversicherungssparte

2007: Wechsel zum Broker Oddo, dann Aufstieg zum Partner

2009: CEO von Natixis

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