Neel Kashkari
Der 700-Milliarden-Dollar-Mann

Als weitsichtig kann man Neel Kashkari bestimmt bezeichnen. Schließlich hat der Raumfahrtingenieur am neuesten Weltraumteleskop der Nasa mitgearbeitet. Und Weitsicht wird der Ex-Ingenieur und Ex-Banker brauchen. Denn Neel Kashkari ist seit wenigen Stunden der Mann mit der dicksten Brieftasche der Welt: Er verwaltet jene 700 Mrd. Dollar, mit denen die US-Regierung ihren notleidenden Banken aus der Krise helfen will.

NEW YORK. "Die größte Herausforderung ist für Neel Kashkari ein erfolgreicher Start des Projektes", sagt Tom Gallagher, Analyst beim renommierten Forschungsinstitut ISI Group. Denn schon kurz nach seiner Ernennung wurde zumindest im Internet heftig darüber diskutiert, ob der 35-Jährige nicht viel zu jung ist für den Job. Seltener wird erwähnt, dass es Kashkari war, der in nächtelangen Sitzungen mit den Parlamentariern die Bedingungen für den Rettungsplan aushandelte und einer der Autoren jenes Gesetzes ist, das den Rettungsfonds erst möglich machte.

Doch es ist nicht nur seine relative Jugend, die dem Chef der neuen Behörde für Finanzstabilität (Office of Financial Stability) einen schweren Start verspricht: Kashkari gehört zu jenen Bankern, die 2006 ihrem ehemaligen Chef Hank Paulson von der Wall Street nach Washington folgten, als Paulson den Chefsessel bei Goldman Sachs gegen den Job des Finanzministers tauschte. Nicht die einzige Gemeinsamkeit: Kashkari, dessen Eltern noch vor seiner Geburt aus dem indischen Kaschmir in die USA übersiedelten, stammt genau wie Paulson aus Ohio. Zu Goldman kam er erst 2002 nach seinem Job für die Nasa und einem MBA an der angesehenen Wharton School. In San Francisco beriet er für die Investmentbank Firmenkunden bei der Absicherung ihrer Computersysteme.

Die Berufung Kashkaris gilt vielen Beobachtern als weiteres Zeichen dafür, wie eng das US-Finanzministerium mit der Nummer eins an Wall Street, Goldman Sachs, verbunden ist. Mit Spannung wird daher beobachtet, wen Kashkari als Fondsmanager für den Ankauf der Kreditderivate in den nächsten Tagen einstellt. Denn die Experten auf diesem Gebiet dürften derzeit praktisch alle bei betroffenen Banken arbeiten. Das ist angesichts der Interessenskonflikte vor allem eins: dünnes Eis auf dem sich Kashkari bewegt. Zumal seine Berufung nur vorläufig ist und Beobachter deshalb damit rechnen, dass Kashkari bei einem Regierungswechsel im November gehen muss - genauso wie sein neuer, alter Chef Hank Paulson.

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