Neuanfang
Christoph Mohns zweite Chance bei Bertelsmann

Nun, da sein Vater Reinhard tot ist, wird Christoph Mohn bei Bertelsmann gebraucht. Er war gescheitert, jetzt wird er rehabilitiert – von seiner Mutter Liz.

DÜSSELDORF. Am Freitag erwartet ihn eine große Aufgabe. Er soll reden, reden über seinen Vater, und sehr viele Menschen werden ihm zuhören. Sein Vater ist der legendäre Medienunternehmer Reinhard Mohn, und Christoph Mohn wird im Namen seiner Familie zu 1000 Gästen sprechen, die in die Gütersloher Stadthalle geladen sind, um dem Vater die letzte Ehre zu erweisen. Es ist, wenn man so will, eine politische Trauerfeier. Für Christoph Mohn geht es um Gefühle und um seine Zukunft.

Der konzerneigene Nachrichtensender N-TV überträgt live, und Christoph Mohn hat eine neue Rolle zu spielen – nicht die leichteste. Er ist der Rückkehrer und ein Gescheiterter, der für einen Umbruch in Europas größtem Medienkonzern steht. Und anders als die anderen Redner wie Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundeswirtschaftsminister von der CSU, und Jürgen Rüttgers, dem CDU-Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen, ist Mohn kein großer Rhetoriker. Die Öffentlichkeit ist nicht seine Sache. Mit seinen beiden Kindern und seiner Frau Shobhna, einer indischstämmigen Mathematikerin, die seit vielen Jahren als Finanzmanagerin in der Konzernzentrale arbeitet, lebt er zurückgezogen am Stadtrand von Gütersloh. Er ist im persönlichen Umgang sympathisch, sonst eher still.

Am Freitag aber kann er die große Bühne nicht meiden. Der Betriebswirt ist als Vorstandschef und Großaktionär des Internetkonzerns Lycos Europe krachend gescheitert. Nun, da sein Vater tot ist, soll er bei Bertelsmann eine Schlüsselrolle spielen. Er zieht in die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft – kurz: BVG – ein, das Machtzentrum des Konzerns. Dort war er seit 2003 nur Gast. Zudem wird er Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann-Stiftung. Dem Bertelsmann-Aufsichtsrat gehört er seit November 2006 an.

Mit seinen neuen Posten wird Christoph Mohn rehabilitiert.

Reinhard Mohn hat in seinem letzten Buch seine Kinder verglichen, das heißt: Er hat sie gemessen. „Während sich unser Sohn Christoph durch große Eigenständigkeit auszeichnet, teilt Brigitte in ihrer zielgerichteten und verantwortungsvollen Art meine Auffassung, dass jedermann mit seiner Arbeit auch einen Beitrag für die Gemeinschaft zu erbringen hat … Sie wird als engagiertes Mitglied des Stiftungsvorstands zweifelsohne auch zukünftig ihren Beitrag zur Kontinuitätssicherung der Bertelsmann Stiftung einbringen.“ Am Mittwoch wurde Reinhard Mohn auf dem Neuen Stadtfriedhof in Gütersloh beerdigt.

Sein Tod ist eine Zäsur für den Konzern. Und diejenige, die den Sohn nun rehabilitiert, ist die Mutter.

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