Neuanfang in einer neuen Welt
Frank Quattrone ist zurück im Geschäft

Das weltweite Datennetz hat ihm beispiellosen Reichtum beschehrt - und beinahe auch einen längeren Aufenthalt hinter Gittern. Danach war die Karriere des einstigen Star-Bankers Frank Quattrone am Tiefpunkt angelangt. Jetzt versucht der 52-Jährigen sein Comeback - mit dem gleichen Geschäft, dass ihn 2004 beinahe in den Knast befördert hätte. Doch die Spielregeln haben sich geändert.

SAN JOSE. An einem sonnigen Tag drängeln sich im rot-gelb getünchten Tech Museum of Innovation im kalifornischen San Jose Gruppen von Schulkindern. In einer Ausstellung über das Internet-Universum testen Fünftklässlerinnen an einem Flachbildschirm ihr Wissen zum Thema Technik. "Wer hat das World Wide Web erfunden?", lautet eine Frage. Fünf Namen werden zur Auswahl geboten. "Bill Gates", rufen drei Schülerinnen wie aus einem Mund. Falsch! Die richtige Antwort: der britische Computerwissenschaftler Tim Berners-Lee.

Lautete die Frage allerdings: Wem hat das weltweite Datennetz beispiellosen Reichtum und beinahe eine lange Weile hinter Gitter gebracht, so hieße die Antwort: Frank Quattrone - heute der größte Förderer und Kuratoriumsvorsitzende des Museums.

Rückblick: Silicon Valley in den 90er-Jahren. Das Internet-Fieber grassiert. Firmen, die ein Geschäft mit dem weltweiten Netz verheißen, schießen wie Pilze aus dem Boden. Ihr Dünger ist Geld, das viele Investoren in der Hoffnung auf sagenhafte Geschäfte massenhaft ausstreuen. Tatsächlich hat kein anderer Investmentbanker so bei der Welle brandheißer Börsengänge jener Zeit mitgemischt wie Quattrone, niemand symbolisiert die blinde Euphorie, im Jargon "Dotcom-Hype" genannt, besser als er - inklusive des tiefen Absturzes.

Quattrone leitete ab 1998 die Technology Banking Group der Credit Suisse First Boston. Zu den Hoch-Zeiten im Jahr 2000 wickelte das Team Finanzierungen und Übernahme- Transaktionen im Volumen von 341 Mrd. Dollar (233 Mrd. Euro) ab. Die smarten Banker brachten auch Firmen an die Börse, die nicht einmal Gewinn produzierten - und bewarben die Aktien mit geschönten Analysen.

2003 geriet der Starbanker ins Fadenkreuz der Justiz. Ihm wurde vorgeworfen, er habe Führungskräften anderer Unternehmen bei Börsengängen gefragte Aktien zugeschanzt, um neue Deals im Investment-Banking zu erhalten.

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