Neue Audi-Aufseherin
Wie Ursula Piëch die Männerwelt aufmischt

Heute wird Ursula Piëch in den Aufsichtsrat der Volkswagen-Tochter Audi gewählt. Die Ehefrau des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch wird zur mächtigsten Frau der Autoindustrie – allem Unmut zum Trotz.
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HamburgSie ist ein Pflichtmensch. Die Frau des Volkswagen-Patriarchen Ferdinand Piëch stellt persönliche Befindlichkeiten hintan, wenn es notwendig ist. Doch an eines kann sich die bald 57-Jährige – Sonntag hat sie Geburtstag – in ihrer neuen Rolle als Aufsichtsrätin des Dax-Konzerns Volkswagen nicht gewöhnen: den Rummel um ihre Person. „Jedes Wort, das ich öffentlich sage, wird sofort ausgedeutet“, sagt Ursula Piëch. „Deshalb bin ich vorsichtiger geworden.“

Dabei geht die Blondine sonst gern offen auf die Menschen zu – ihren Mann an einem Arm, die obligatorische Handtasche am anderen, meist strahlend lächelnd, wie es zuletzt beim traditionellen GTI-Treffen Himmelfahrt am Wörthersee zu sehen war. Sie gilt im Konzern als Außenministerin des meist schweigsamen Piëch. Ursula Piëchs Waffe ist ihr Charme. Und, dass viele Männer die gelernte Kindergärtnerin aus Braunau am Inn unterschätzen – so, wie die Manager einst die ausdauernde Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler unterschätzten.

In Schaefflers Fall hatte die Österreicherin erst mit ihrem Mann Georg und nach dessen Tod mit dem damaligen Conti-Lenker Hubertus von Grünberg Lehrmeister, die sie in die Details einführten. Im Fall von Ursula Piëch, geborene Plasser, ist es ihr Mann, der sie seit Jahrzehnten zu allen wichtigen Terminen mitnimmt. Das ist aber keine Einbahnstraße: Piëch hört auf ihren Rat und ihre Menschenkenntnis.

Heute wird Ursula Piëch mit der 99,55-prozentigen Mehrheit von VW auf der 124. Ordentlichen Hauptversammlung von Audi am Standort Neckarsulm in den Aufsichtsrat der bayerischen Premiumtochter gewählt. Geeinigt haben sich darauf Niedersachsens neuer Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch. Mit Christine Hawighorst, die bis zur Wahl im Frühjahr die niedersächsische Staatskanzlei von Weils abgewähltem CDU-Vorgänger David McAllister führte, lag das Mandat bisher in den Händen von VW-Großaktionär Niedersachsen. Das Land hält gut 20 Prozent der VW-Stimmrechte.

Zustimmung kommt auch vom mächtigen VW-Betriebsrat, der die Rolle der Matriarchin nach gut einem Jahr im Aufsichtsrat von VW lobt. „Ursula Piëch setzt das, was wir von ihr kennen, im Aufsichtsrat um. Sie hat den Blick für die Standorte und die Beschäftigten im Konzern“, sagt Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh dem Handelsblatt. Aber sie verstehe auch eine ganze Menge vom Produkt und vom Design.

„Automobile faszinieren sie“, stellt Osterloh als Beifahrer von Ursula Piëch fest. „Das färbt offenbar in der Familie ab. Jetzt sorgt sie im Aufsichtsrat von Audi für Kontinuität. Für die Arbeitnehmer ist das eine gute Nachricht“, sagt der Betriebsratschef, der ebenfalls im Aufsichtsrat und Präsidium von VW sitzt.

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  • Sogar ich als "unsensibler" Mann habe den sexistischen Unterton bemerkt. Ganz ehrlich, das klingt schon so als würden Frauen ja überhaupt nichts draufhaben.

    Und wie man wieder von Schaeffler spricht ist auch nicht okay. Frau Schaeffler hats echt drauf und das kann man ihr schon lassen. Und Frau Piech scheint ihren Job auch sehr gut zu machen.

  • Da macht jemand als Unternehmer über Jahrzehnte so ziemlich alles richtig wie Hr. Piech - und dann kommen die typisch deutschen, dümmlichen Neid-Kommentare.

    Mal daran gedacht, was dieser Mann auch in Deutschland für einen Wohlstand gebracht hat? Da kann man doch auch großzügig über ein paar Fehlentscheide (die es gar nicht wert sind, hier genannt zu werden) hinwegsehen, oder?

    Wie es anders geht, zeigt Bosch. Viel kräftiger gestartet, zudem als finanzmarktunabhängige Stiftung freier in all ihren Entscheidungen - und in den letzten 10 Jahren ziemlich heruntergewirtschaftet. Nicht zum Wohle der Belegschaft, da dürfen nun Tausende gehen.

    Na, macht's klick?

  • Es ist schon mehr wie erstaunlich, dass dieser österreichische Clan, der in der Vergangenheit eher zu den mittleren Topreichen zählte, es geschafft hat, 54 % des deutschen Vorzeigeunternehmens VW inkl. MAN sich unter den Nagel zu reißen. Die Politik für über 500 Td. Beschäftigte wird künftig wohl im Küchenkabinett in Salzburg entschieden werden. Die meisten Aktionäre dürfen ihr Geld einbringen haben aber stimmrechtslos nichts zu sagen.

    Braunau als Geburtsort? Ich bekomme da Alpträume.

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