Neue Aufgaben im Visier
Eine Überlebensfrage

Die Controller können nicht bleiben, was sie sind, sonst geht ihnen bald die Arbeit aus. Ihre Interessenvertretung hat sich Gedanken über ein neues Berufsbild gemacht.

Die Controller gehen in die Offensive: Die International Group of Controlling (IGC), ein Zusammenschluss mitteleuropäischer Verbände, Institute und Unternehmen, hat ein neues Leitbild für den Beruf entwickelt, das mit überkommenen Vorstellungen aufräumen soll: „Die Controller sollen eine aktivere Rolle übernehmen und nicht mehr nur Service auf Anforderung liefern“, erläutert der Vorsitzende der IGC, Wolfgang Berger-Vogel.

„Controller gestalten und begleiten den Management-Prozess der Zielfindung, Planung und Steuerung und tragen damit Mitverantwortung für die Zielerreichung“, lautet der Kernsatz des neuen Leitbilds, das im September verabschiedet wurde und jetzt umgesetzt werden soll. Berger-Vogel, der als Vorsitzender auch für die 4 000 Mitglieder des Internationalen Controller-Vereins sprechen kann, legt besonderen Wert auf die Mitverantwortung.

„Das bedeutet, dass die Leistung des Controllings auch daran gemessen werden kann, was es zur Zielerreichung beigetragen hat“, sagt Berger-Vogel, der im Hauptberuf als Vorstand für Controlling und Finanzen bei der Österreichischen Brau-Beteiligungs-AG BBAG arbeitet. Selbstverständlich seien die Controller wie bisher auch für das Berichtswesen sowie die betriebswirtschaftliche Daten- und Informationsversorgung zuständig.

Die Initiative der IGC fällt in eine Zeit, in der sich die Controller fragen lassen müssen, wo sie ihre Zukunft sehen: Das Zusammentragen von Zahlen für die Planung und die Überwachung von Abweichungen im Jahresverlauf lässt sich immer mehr auf die Datenverarbeitung übertragen – das gefährdet die einfacheren Controller-Tätigkeiten. Bei anspruchsvolleren Arbeiten stoßen die Controller dagegen auf die Konkurrenz der firmeninternen Berater, die mit ihnen um die beste Zuarbeit für die Unternehmensführung wetteifern.

In jüngster Zeit ist noch ein weiterer Wettbewerber ins Spiel gekommen: Die Kapitalmärkte verlangen realistische Zahlen aus den Unternehmen, bevor sie über Investitionen entscheiden. Weil die Bilanzen durch ihre Gestaltungsmöglichkeiten ins Gerede gekommen sind, fällt der Blick auf die „ehrlicheren“ Kennzahlen, die zur unternehmensinternen Steuerung verwendet werden: Zu deren Ermittlung und Konsolidierung muss keine Rücksicht auf Steuern oder Dividendenausschüttung genommen werden.

Wenn aber die internen Zahlen, die zur Domäne der Controller gehören, zur Kommunikation nach draußen gebraucht werden, die das Feld des externen Rechnungswesens ist, dann stellt sich die Frage, wer überlebt. „Konsolidiert der Controller oder controlled der Konsolidierer?“, bringt Martin Frohmann, Gruppenleiter bei der Unternehmensberatung IBM Global Services, den Konflikt auf den Punkt.

„Auch die interne Steuerung erfolgt häufig mit geringfügig angepassten Zahlen des externen Rechnungswesens. Das geht vielfach zu Lasten der bisher vom Controlling gelieferten Zahlen“, meint Professor Jürgen Weber von der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Vallendar. Das aber trifft die Controller im Kern: „Der Rückzug aus Routineprozessen bietet den Controllern zwar die Chance, stärker in die interne Beratung vorzudringen, birgt aber gleichzeitig das Risiko, dass sie damit ihre informatorische Basis für kompetente Beratung verlieren“, warnt Weber.

Für den Vorsitzenden des Controller-Vereins ist diese Schlacht noch nicht geschlagen: „Es wird sicher auch künftig zwei verschiedene Zahlenwerke geben“, meint Berger-Vogel und fügt hinzu: „Man will dem Konkurrenten doch nicht alles zeigen!“

Aber es gibt auch neue Aufgaben: Peter Horváth, Professor an der Uni Stuttgart, sieht Handlungsbedarf beim Controlling der immateriellen Güter eines Unternehmens, zu denen etwa Innovationspotenzial, Image oder Marke zählen. Zudem müssten die Controller „die Radarstation zur Früherkennung notwendiger strategischer Änderungen werden“. Dies und das Aufgabenfeld Risikomanagement hätte er sich schon notiert, sagt Berger-Vogel: „Schließlich wollen wir das Berufsbild des Controllers weiterentwickeln.“

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