Neue Biographie Die Geheimnisse des Ferdinand Piëch

Eine neue Biographie über Ferdinand Piëch gelingt es nicht, das Rätsel des Managers zu lösen und eine vertiefende Analyse zu schaffen. Trotzdem lohnt sich das Lesen - das Buch informiert auf sehr unterhaltsame Weise.
Update: 27.02.2011 - 11:32 Uhr Kommentieren
Ferdinand Piech auf einer Hauptversammlung der Porsche Automobil Holding SE. Quelle: dapd

Ferdinand Piech auf einer Hauptversammlung der Porsche Automobil Holding SE.

(Foto: dapd)

HamburgWolfgang Fürweger kann sein Glück kaum fassen. Der sonst so verschwiegene Industrielle Ferdinand Piëch, Enkel des genialen Ingenieurs Ferdinand Porsche und aus eigenem Antrieb an die Spitze des Autobauers Volkswagen gelangt, lässt den österreichischen Journalisten in sein Salzburger Büro bitten.

Und dann nimmt sich der Patriarch stundenlang Zeit - welcher Berichterstatter träumt nicht davon?

Fürwegers sechsseitiger Prolog ("Wie ich Ferdinand Piëch kennenlernte") in seiner jetzt bei Ueberreuter vorgelegten Biografie des VW-Chefaufsehers ist ein Lesegenuss. Wie der junge Journalist und die Managerlegende in dessen Büro gemeinsam bei Keksen, Tee und Kaffee die bewegte Familiengeschichte der Porsches und Piëchs durchgehen, liest sich als spannendes Zeugnis einer Ausnahmebegegnung, Bei dem Treffen im Dezember 2006 ging es um Fürwegers exzellentes, aber inzwischen vergriffenes Buch "Die PS-Dynastie", das sich um "Ferdinand Porsche und seine Nachkommen dreht". Dieses Mal hatte er Pech: Der Patriarch verweigerte sich jedem Gesprächswunsch für die eigene Biografie.

Warum auch? Piëch selbst hat seine Sicht der automobilen Welt bereits 2002 - nach seinem Abgang als VW-Vorstandschef - in der "Auto.Biographie" dargelegt. Doch gute Gründe gäbe es zuhauf: Schließlich ersetzt eine Selbstbespiegelung keine kritische Betrachtung von außen - und in den Jahren seit 2002 wurde aus Volkswagen in einem schmerzlichen Prozess unter Piëchs Aufsicht ein aussichtsreicher Wettbewerber für die Spitze der Autobranche. Allein das noch lange nachwirkende Übernahmepoker zwischen Porsche und VW lohnt eine Auseinandersetzung.

Fürwegers beste Quelle für Piëch ist jedoch Piëch selbst - aber eben aus der vielfach zitierten Autobiografie und aus seinen in Fernsehdokumentationen, etwa von Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, verarbeiteten Piëch-Auftritten auf Automessen wie dem Montag startenden Genfer Automobilsalon.

Bis dato unbekannte Zeugnisse von Wegbegleitern fehlen ebenso wie eine vertiefende Analyse des Mannes, der im Untertitel als "Jahrhundert-Manager" gefeiert wird. Fürweger gelingt es nicht, das Rätsel Piëch zu lösen, er kann es nur auf gut 200 Seiten beschreiben. Dennoch lohnt sich die Lektüre für diejenigen, die etwa Fürwegers erstes Buch über die Familie nicht kennen. Was der Journalist zusammengetragen hat an großen Geschichten und kleinen Anekdoten aus dem Clan der Porsches und Piëchs ist durchgängig spannend.
Das Buch ist gut geschrieben und übersichtlich gegliedert. Der Leser lernt, wie früh prägende Themen wie der Leichtbau in Piëchs Leben getreten sind. Während des Studiums an der ETH Zürich ist der angehende Ingenieur so fasziniert von der Materie, dass es ihn in die Luft statt auf die Straße zieht. Fürweger schreibt es der fehlenden Luftfahrtindustrie Österreichs zu, dass Piëch dann doch beim Automobil gelandet ist. Ansonsten müsste die Geschichte der Autoindustrie umgeschrieben werden. Fürweger beschreibt Ferdinand Piëchs Anteil daran - nicht mehr und nicht weniger.

Wolfgang Fürweger: Ferdinand Piëch. Der Automanager des Jahrhunderts; Ueberreuter, Wien 2011, 200 Seiten, 22,95 Euro.

 

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