Neue Führung der SWX
Schweizer Börse favorisiert Hunziker für Spitzenamt

Die Schweizer Börse SWX erhält in den nächsten Wochen eine neue Führungsspitze. Nach Handelsblatt-Informationen wird der derzeitige Interimspräsident und Teilhaber der Genfer Privatbank Pictet, Jacques de Saussure, noch vor der Hauptversammlung der Börse im Mai sein Amt an einen Nachfolger übergeben.

HB ZÜRICH. Dabei stehen die Chancen gut, dass die schon früher als Kandidatin genannte Antoinette Hunziker neue Verwaltungsratspräsidentin wird. Offizielle Stellungnahmen gibt es nicht. „Eine seriöse Suche braucht ihre Zeit“, sagte ein Sprecher der SWX lediglich. Beteiligte weisen darauf hin, dass die neue Führung eine entscheidende Rolle bei der zukünftigen Struktur der SWX spielt.

Die Börse steht seit bald einem halben Jahr ohne regulären Nachfolger für Reto Francioni da, der an die Spitze der Deutschen Börse gewechselt ist. Francioni hatte zwar selbst einen Personalvorschlag gemacht: Seiner Meinung nach sollte die ehemalige operative SWX-Chefin Hunziker als Verwaltungsratspräsidentin zurückkehren. Dieser Vorschlag war jedoch nicht mit allen Mitgliedern des Verwaltungsrats der SWX, in dem Vertreter der verschiedensten Interessengruppen sitzen, abgesprochen und wurde deswegen zunächst auf Eis gelegt. Hunziker dürfte jedoch weiter zur Verfügung stehen, da sie ihren bisherigen Job als Leiterin der Handelsabteilung bei der Zürcher Bank Julius Bär im Dezember aufgegeben hat. Inzwischen heißt es, Hunziker sei wieder die Favoritin.

Übergangspräsident de Saussure hatte kürzlich in einem Interview klar gemacht, dass jeder Kandidat vor allem Führungskraft, strategisches Denken und Unabhängigkeit mitbringen müsse. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Interessengruppe erweise sich eher als Handicap, sagte de Saussure.

Mit „strategischen Herausforderungen“ dürfte der Interimspräsident die heikle Entscheidung über die Zukunft der SWX angesprochen haben. Die Börse lebt vor allem vom Handel mit einer Hand voll Schweizer Blue Chips sowie von der Beteiligung an der Derivatbörse Eurex. Die Struktur der Schweizer Börse wird vor diesem Hintergrund von dem die Börse tragenden Verein zunehmend in Frage gestellt. Möglich wäre eine Fusion der SWX mit einer anderen europäischen Börse oder eine neue Organisation, die Börse, Verrechnung und Abwicklung umfasst. Ein Vorschlag, der auf dem Tisch liegt, ist die Vereinigung von SWX und jenen Schweizer Partnerunternehmen, die zur Verrechnung und Abwicklung des Börsenhandels beitragen, zu einer Superholding. De Saussure lehnt das mit dem Hinweis auf die „ europäische Börsenlandschaft“ ab, die sich eher in eine andere Richtung entwickele.

Offenbar wollen sich die Schweizer also lieber die Option offen halten, doch noch einen Partner in Europa zu suchen. Vor anderthalb Jahren war die Deutsche Börse noch mit einer Avance Richtung Zürich gescheitert.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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