Neue Gesellschafterstruktur
Späth wird Aufsichtsratschef bei Holtzbrinck

Die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck geht mit einer neuen Gesellschafterstruktur in die Zukunft. Dieter von Holtzbrinck gibt seine Position als Aufsichtsratsvorsitzender auf und führt seine Anteile in eine gemeinnützige Familienstiftung über. Neuer Chef des Kontrollgremiums wird der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth.

HB STUTTGART. Zum 30. Juni 2006 scheidet der Gesellschafter­stamm Dieter von Holtzbrinck aus der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (GvH) aus, um schrittweise den Unternehmenswert seiner Ein-Drittel-Beteiligung an der Verlagsgruppe in eine gemeinnützige Familienstiftung zu überführen. Die Gesellschafter­stämme Monika Schoeller-von Holtzbrinck und Dr. Stefan von Holtzbrinck werden somit künftig je 50 Prozent an der GvH halten.

Dieter von Holtzbrinck, Jahrgang 1941, arbeitete seit 1970 in führenden Positionen in dem von seinem Vater gegründeten Familienunternehmen. Bis Mitte der 70er Jahre war er Geschäftsführer der Handelsblatt GmbH in Düsseldorf, wechselte dann als Stellvertreter seines Vaters in die Geschäfts­führung der Holding-Gesellschaft nach Stuttgart. Von 1980 bis 2001 leitete er die Verlagsgruppe als Vorsitzender der Geschäftsführung, um dann, 60-jährig, den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen. Diese Position wird nun Prof. Lothar Späth wahrnehmen, bisheriger Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Gruppe. Zum neuen Stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann ernannt; weitere Mitglieder des Aufsichtsrates sind Prof. Hubert Markl, Dr. Bernd Scheifele, Monika Schoeller-von Holtzbrinck.

Nach dem Tod von Georg von Holtzbrinck im Jahr 1983 begann Dieter von Holtzbrinck mit einem deutlichen Um- und Ausbau der bis dato aus inlän­dischen Buchclubs, Buchverlagen und Zeitungsbeteiligungen bestehenden Verlagsgruppe. Im Mai 2001 übergab er die operative Führung an seinen Bruder Stefan, Jahrgang 1963. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem Unternehmen eine international tätige Mediengruppe geworden, die rund 50 Prozent ihres stark gestiegenen Umsatzes im angelsächsischen Sprachraum generierte und sich aus den Bereichen Buchverlage, Zeitungen, Wissenschafts- und Schulbuch- / College-Verlage, sowie Wirtschaftspublizistik (Handelsblatt-Gruppe) zusammensetzte.

Dieter von Holtzbrinck sagte zu seinen neuen Plänen: „Nach 36 guten und spannenden Jahren als Unternehmer und Verleger ist es Zeit, die von meiner Familie und mir schon lange gehegte Idee einer sozial tätigen Familienstiftung in die Tat umzusetzen. Der Staat kann dauerhaft nicht mehr all die sozialen Leistungen erbringen, die wir in Deutschland gewohnt waren. Mehr private Initiative ist dringend erforderlich.“

Interview mit Dieter von Holtzbrinck: „Eine Zäsur, die mir nicht leicht fällt “

„Vor dem Hintergrund des Internet-bedingten tief greifenden Wandels in der Medienbranche war der frühzeitige Generationsübergang in der Führung unseres Hauses wichtig und richtig. Ich bin froh, vor fünf Jahren, d.h. im Alter von 60, den Stab an meinen 22 Jahre jüngeren Bruder übergeben zu haben. Unser Unternehmen ist in guten Händen, die Verlagsgruppe in bester Verfassung, finanziell wie publizistisch.“

Monika Schoeller-von Holtzbrinck erklärte zum Rückzug von Dieter von Holtzbrinck: „ Mein Bruder und ich danken Dieter für die umsichtige, an Qualität orientierte, sehr erfolgreiche Führung der Verlage. Die in jeder Phase konsequente Umsetzung seiner Lebensplanung verdient allen Respekt und Anerkennung.“

Auch Stefan von Holtzbrinck würdigte das Engagement: „Wir, die Mitarbeiter und Geschäftsführer, sind meinem Bruder zu tiefem Dank verpflichtet. Seine unternehmerische Lebensleistung wird uns immer Vorbild und Ansporn sein. Die Veränderung im Gesellschafterkreis wird weder die traditionell langfristig orientierte Unternehmenspolitik und -struktur noch die finanzielle Stabilität beeinträchtigen.“

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