Neue Handelsblatt-Serie
Zwischen Puja und Pepsi

„Darf ich vorstellen? Bill Gates zu meiner Linken.“ Neben dem Microsoft-Gründer sitzen in einer Reihe Gordon Brown, Premierminister von Großbritannien, Weltbank-Chef Bob Zoellick, Südafrikas Finanzminister Trevor Manuel und Unilever-Chairman Michael Treschow. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Indra Nooyi bei den Mächtigen angekommen ist, Davos 2008 hat ihn geliefert.

NEW YORK. Bill Gates, lange Zeit reichster Mann auf dem Globus, philosophiert im offenen weißen Hemd über das Weltheil – und Indra Nooyi moderiert: ausgerechnet jene Frau, deren strenge Mutter Shantha einst am Küchentisch in Madras predigte, Geld sei die Wurzel allen Übels.

Es ist ein ziemlich verrückter Moment in einem ziemlich verrückten Leben, das Indra Krishnamurthy Nooyi bis ins tief verschneite Davos geführt hat. Als Emigrantin und „arme indische Studentin“ (O-Ton Indra Nooyi) ist sie im Alter von 22 Jahren in die USA ausgewandert und hat mit Fleiß und unstillbarem Wissensdurst schnell Karriere gemacht. Im Oktober 2006 erreicht sie den ersten Gipfel und wird Vorstandschefin von Pepsico, einem US-Lebensmittelkonzern mit 35 Milliarden Dollar Umsatz, 168 000 Mitarbeitern und dem Markenprodukt Pepsi, das zu den weltweit bekanntesten Erfrischungsgetränken gehört. Das US-Magazin „Forbes“ wählte sie im Vorjahr auf Platz fünf seiner Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt – unweit hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Außenministerin Condoleezza Rice.

Anfangs, als Indra Nooyi die Podiumsgäste auf dem Weltwirtschaftsforum der Reihe nach vorstellt, wackelt ihre Stimme. Schnell aber weicht die Nervosität, sie legt die Arme auf den Lehnen des sandfarbenen Ledersessels ab und blickt Bill Gates mit entschlossenem Blick an: „Ich habe nicht vor, grimmig zu werden, aber ich möchte, dass Sie eines wissen: Dies hier ist MEIN Küchentisch.“ Mit anderen Worten: Wer in Davos wie lange reden darf, das bestimmt die kesse Moderatorin mit dem mausgrauen Hosenanzug und dem roten Schal.

Sie streift kurz mit der rechten Hand durch ihr dichtes, pechschwarzes Haar, weil sie unsicher ist, wie die Reaktion des Publikums ausfallen wird. Als sie ein Raunen im Saal hört, ein fröhliches Raunen, huscht ein erstes Lächeln über ihre Lippen. Die Pointe ist angekommen, und sie passt zu Indra Nooyi.

„Niemand, den ich bisher getroffen habe, kann so hart rangehen wie Indra, aber sie macht es stets mit einem Sinn für Herzlichkeit und Humor“, schwärmt einer ihrer Mentoren, der frühere Pepsico-Konzernchef Roger Enrico.

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