Neue Ideen
Vitascope: Das Leben betrachten

Neue Ideen, neue Geschäftsmodelle, neue Unternehmen: Die Filmgesellschaft Vitascope aus Berlin setzt Privatleute in Szene. Der Firmenname ist Programm, er bedeutet: Das Leben betrachten. Für seine Kunden produziert das Unternehmen das passende filmische Portrait.

kam BERLIN. Joachim Mühleisen und Sascha Quednau, 34 und 35 Jahre alt, haben 2004 die Filmgesellschaft Vitascope gegründet und setzen seitdem vor allem Privatleute in Szene. Als Mühleisens Großmutter im Sterben lag, begleitete er sie die letzen Tage mit der Kamera, befragte sie über ihr Leben und ließ Familienmitglieder zu Wort kommen. Als Mühleisen seinem Freund Quednau den Film zeigte, war dieser begeistert, und die Idee, Vitascope zu gründen, war geboren. Der Firmenname ist Programm, er bedeutet: Das Leben betrachten. Ein Filmportrait kostet ab 1 000 Euro und beinhaltet zwei Drehtage sowie eine Woche Postproduktion, dazu gehört die Sichtung des Materials und die Digitalisierung. Anfangs haben die beiden Absolventen der Filmwissenschaften nur Portraits über Menschen produziert. Inzwischen haben sie ihr Angebot erweitert, da sie nicht von den Filmportraits allein leben können. "Wir machen, was der Kunde wünscht", sagt Quednau. "Anfangs konnte ich mir auch nicht vorstellen, einmal Hochzeitsfilme zu machen. Jetzt tu ich es." Vitascope produziert auch Firmenportraits und beschäftigt sich mit Theater- und Videoproduktionen.

Das Startkapital von Mühleisen und Quednau bestand aus den Kameras, die sie bereits besaßen und Geld, dass ihnen ihre Eltern für Computerkäufe gaben. Anfangs hatten sie kein Büro, sondern arbeiteten von Zuhause aus. Die ersten Aufträge kamen von Bekannten. Werbung haben sie für ihre Firma nicht gemacht, alles lief über Mund-zu-Mund-Propaganda. Zwei Jahre nach dem Schritt in die Selbstständigkeit arbeitet Vitascope zumindest kostendeckend. Mühleisen und Quednau arbeiten derzeit an neuen Konzepten, um sich von der Konkurrenz abzusetzen.

"Bastardfilm" ist so ein Konzept. Vitascope lässt den Kunden in seinen Lieblingsfilm schlüpfen: Entweder er sucht sich eine Rolle aus und spielt sie nach, oder aber er erfindet einen neuen Part. Seit Ende 2005 gibt es dieses Angebot, "Anfragen für Bastardfilm gibt es einige, letztlich scheitert es oft am Preis. Schließlich müssen auch die Rechte bezahlt werden", fasst Quednau die Probleme dieses Angebots zusammen. Beide Gründer wollen einmal nur vom Filmemachen mit Vitascope leben - derzeit geben sie aber noch Kurse an Filmhochschulen und bei der VHS, um sich zu finanzieren. Einen Tipp hat Quednau für junge Firmengründer: keinen Kredit aufzunehmen. "Kann man den nicht mehr abzahlen, ist man tot. Solange wir unsere Miete zahlen, können wir arbeiten. Auch wenn wir uns quasi selbst ausbeuten."

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