Neue Konzepte
Firmen gründen Schulen

Die Schullandschaft in Deutschland verändert sich: Zahlreiche Unternehmen leisten einen Beitrag zur Eröffnung neuer Schulen. Sie wollen neue Impulse in die Schullandschaft bringen - und ein Lernen ermöglichen, das es an allgemeinbildenden Schulen nicht gibt.
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DÜSSELDORF. Die Konzepte sind unterschiedlich. Neu gestartet ist in diesem Jahr etwa die "Neue Schule Wolfsburg", eine Ganztagsschule, die Schüler individuell nach ihren Begabungen fördern will. 125 Schüler besuchen die Schule, sie verteilen sich auf zwei erste und vier fünfte Klassen. Das Besondere: Die Schule wird von Volkswagen mit 15 Mio. Euro unterstützt. Als "ein Geschenk an die Stadt Wolfsburg", bezeichnet VW-Personalvorstand Horst Neumann dieses Engagement. Träger der Schule sind die Volkswagen AG und Tochtergesellschaften, die Schule ist staatlich genehmigt.

Unterrichtet werden die Schüler in den Fächern, die es an anderen Schulen auch gibt. Eine Besonderheit ist aber das Fach "Gesellschaft", das Themen aus den Fachbereichen Wirtschaft, Politik oder Ethik vereint. Die ökonomische Bildung der Schüler steht ebenfalls im Vordergrund, Projekte werden gemeinsam mit der Volkswagen AG erarbeitet. So bekommen die Schüler ab der fünften Klasse sogenannte Forscherpaten, die die Kinder in ihren Lernprozessen unterstützen sollen. "Diese orientieren sich an den Interessen der Schüler", sagt Schulleiterin Helga Boldt.

Die Lehrer heißen "Lernbegleiter"

Eine Schule mit individueller Förderung, einer internationalen Ausrichtung und einem Ganztagskonzept - davon träumen viele Eltern in Deutschland. Doch der Alltag in Schulen sieht oft anders aus: Überfüllte Klassen, zu viel Stoff in zu wenig Zeit. Für eine Rundumerneuerung der deutschen Schulen fehlt das Geld - und deswegen machen sich Unternehmen stark für eigene Schulen, in denen sie Kinder individuell fördern können.

Die Unternehmerin Bettina Würth hat in Künzelsau eine solche Schule ins Leben gerufen. In der Freien Schule Anne-Sophie gibt es nicht die klassischen Jahrgangsstufen, stattdessen lernen die Kinder in Lernhäusern, in denen unterschiedliche Altersstufen vertreten sind. Die Schule vereint alle Schulformen, von der Grundschule über Haupt- und Realschule bis zum Gymnasium. Auf das übliche Vokabular wird verzichtet: Schüler heißen "Lernpartner", Lehrer "Lernbegleiter". Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. "Wir unterrichten Kinder, die rein formal auf eine Hauptschule gehen sollten", sagt Bettina Würth, "gemeinsam mit solchen, die auf ein Gymnasium gehen könnten." Ihr Ziel: Jedes Kind individuell zu fördern. Eltern zahlen 200 Euro Schulgeld zum Beispiel für die Ganztagsbetreuung in der Sekundarstufe.

In Sachsen bastelt ein mittelständisches Unternehmen an einer Schulidee. Die Geschäftsführer von Megware, eine Computerfirma in Chemnitz, plant zum Herbst 2010 eine eigene Grundschule, nachdem schon ein Kindergarten eröffnet wurde. Auch hier stehen die Bedürfnisse der Kinder an erster Stelle: "Sie entscheiden selbst, wie sie den Tag gestalten möchten", sagt Geschäftsführer Dirk Viertel. Wünschen sie sich zum Mittagessen Linsensuppe, wird sie gekocht. Wollen sie lieber einen Ausflug machen als im Garten spielen, ziehen alle gemeinsam los.

Ein Konzept, das auch auf die Schule übertragen werden soll: "Im Moment befinden wir uns noch in der Planungsphase", sagt Dirk Viertel. Träger der Schule wird, wie auch beim Kindergarten, ein Verein, der von Firmen und Privatpersonen unterstützt wird. Ziel ist es, den Kindern möglichst viel Freiraum bei ihren individuellen Lernbedürfnissen zu lassen.

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