Neue Lazard-Doppelspitze
Der Rocker und der Musterschüler

Matthieu Pigasse (41) und Erik Maris (44) leiten vom ersten Oktober an als Co-Direktoren die Pariser Niederlassung von Lazard. Pigasse sieht mit seinem dunklen vollen Haar so aus, als könnte er auch Rockmusiker sein. Maris wirkt mit seiner Drahtbrille daneben eher wie ein Musterschüler. Beide zusammen verkörpern den Generationenwechsel bei der französischen Filiale der US-Investmentbank.

PARIS. Eigentlich galten Pigasse und Maris eher als Konkurrenten in der Investmentboutique Lazard. Umso überraschender kam die gemeinsame Ernennung der beiden, die unter Bruno Roger, dem Präsidenten von Lazard Frères, arbeiten. Doch heute erklären sie im Einklang: "Wir haben das Ziel, einen Kulturwechsel zu schaffen." Sie wollen sich für mehr Kollegialität, Disziplin und Teamgeist innerhalb der Bank einsetzen, die seit 2005 börsennotiert ist.

"Wir ergänzen uns bestens", sagte Matthieu Pigasse schon überzeugt. Diese Einschätzung war auch aus Kreisen der Bank zu hören: "Sie haben komplementäre Profile." Beide werden sich gemeinsam um alle Aktivitäten in Paris kümmern, unter anderem um die Beratung von Großkonzernen, um Fusionen, Übernahmen und finanzielle Restrukturierungen von Unternehmen.

Das 1848 gegründete Traditionshaus, das mit über 2 000 Mitarbeitern in 24 Ländern präsent ist, konnte von der Krise profitieren, weil es sich immer mehr auf den Bereich der Beratung für Restrukturierungen spezialisiert hat. So beriet Lazard, nach Einnahmen die Nummer sechs der Investmentbanken weltweit, etwa die Bundesregierung beim Thema Opel.

Der charmante Pigasse ist erst 2002 zu der Bank gestoßen. Er hat nach der Politikerhochschule ENA (Ecole Nationale d´Administration) eine Karriere als hoher Staatsbeamter hinter sich. Er arbeitete früher unter anderem als Berater für den derzeitigen Chef des Internationalen Währungsfonds (IMF) Dominique Strauss-Kahn und war stellvertretender Kabinettsdirektor im Wirtschaftsministerium unter Laurent Fabius.

Pigasse gilt als Sympathisant der französischen Linken und pflegt seinen Rockstar-Charme. In diesem Sommer kaufte der Musikfan sogar das französische Musik- und Kulturmagazin "Les Inrockuptibles".

Der Banker, der vorher schon Vizepräsident der europäischen Struktur von Lazard war, hat sich durch die Beratung von Großunternehmen für den Posten empfohlen und gilt als Finanzspezialist. Zu seinen Kunden gehören unter anderem Areva, Accor und Schneider.

Erik Maris, der gleich nach der Wirtschaftsschule HEC bei Lazard angefangen hat und mittlerweile 18 Jahre in der Bank hinter sich hat, steht dagegen für Kontinuität. Nach außen wirkt er im Vergleich zu Pigasse eher ruhig und zurückhaltend, aber ganz unkonventionell nimmt er gern die Krawatte ab und begeistert sich für schnelle Autos und Segeln.

Maris war bisher zuständig für den Bereich Fusionen und Übernahmen und ist dabei auf die Telekomsparte spezialisiert. Er hat unter anderem France Télécom und Vivendi beraten. Maris und Pigasse kennen sich gut, haben aber noch nie gemeinsam an einem Deal gearbeitet. Jetzt müssen sie unter Beweis stellen, dass sie auch als Tandem funktionieren.

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