Neue Palpina-Finanzchefin
Sechs Monate für drei Meter

Ein halbes Jahr haben sie für die Wahl eines neuen Chefs gebraucht bei Panalpina, dem Schweizer Logistiker. Jetzt wählt das Unternehmen sich mit Finanzchefin Monika Ribar ein Hausgewächs an die Konzernspitze.

ZÜRICH. Drei Monate nach dem Börsengang im vergangenen Oktober kam Bruno Siedler abhanden. Er ging, weil er die Konsequenzen aus einer Bilanzfälschung zog, die ein Mitarbeiter begangen hatte und die den Konzern rund 15 Millionen Euro kostete.

Auf ihn folgt erst jetzt mit der bisherigen Finanzchefin Monika Ribar ein Hausgewächs, seit 15 Jahren bei der Gruppe und zuletzt Finanzchefin, die jüngst einen Quartalsgewinn bekannt geben durfte, der doppelt so hoch wie im Vorjahr ausgefallen ist.

Warum Panalpina so lange brauchte, um eine Kandidatin zu wählen, die drei Meter Luftlinie vom Schreibtisch Gerhard Fischers entfernt sitzt, des Verwaltungsratspräsidenten und Ex-Chefs, der die Nachfolgesuche für Siedler leitete? „Wir wollten uns mit Kandidaten umgeben. Die beste hat jetzt gewonnen. Und zwar nicht weil sie neben mir sitzt“, sagt Fischer selbst. Die Analysten sind geteilter Meinung. Roger Steiner vom Finanzinvestor Kepler meint, er hätte jemanden von außen bevorzugt, der für einen Neuanfang stünde. Die Zürcher Kantonalbank betont dagegen eher die Kontinuität, für die Ribar nun steht.

Die Kandidatin selbst versprach gestern, als sie im dunklen Hosenanzug im ehrwürdigen Züricher Savoy-Hotel die Hände der Analysten schüttelte, genau diese Kontinuität zu wahren. In einer Branche, in der zwar gut verdient wird, aber auch kein Container auf dem anderen bleibt, wird Panalpina unter Ribar weiter auf den Alleingang setzen – egal, ob die Deutsche Post Excel kauft und der Schweizer Konkurrent Kühne & Nagel im Vierteljahrestakt Übernahmen bekannt gibt. Dass Panalpina selbst zur Braut wird, kann die neue Chefin allerdings nicht verhindern. Das Unternehmen ist interessant, weil es im Gegensatz zur Konkurrenz nur aus Mitarbeitern und Kunden besteht: Lagerhallen und Lastwagen werden traditionell nur gemietet.

„Wer uns kauft, kauft keine Sorgen“, sagt Verwaltungsratsvorsitzender Fischer, der auch an der Spitze einer Stiftung steht, die Großaktionär bei Panalpina ist: „Aber genau deswegen wollen wir nicht verkaufen.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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