Neue Pensionsregeln
Vorstände verlieren ihre goldene Hängematte

Die Zeit der üppigen Vorstandspensionen ist vorbei: Immer mehr Top-Manager müssen für ihr Ruhestandsgeld hart und lange arbeiten - wie normale Mitarbeiter. Einige wenig Konzerne sträuben sich noch gegen die neuen Regeln, doch der Druck auf sie wächst.
  • 4

MÜLHEIM. Eigentlich müsste die Deutschland AG Utz Claassen dankbar sein. Die öffentliche Empörung über die Pensionshöhe des früheren Chefs des Energiekonzerns EnBW hatte vor zwei Jahren Politiker, Gewerkschafter und Experten für gute Unternehmensführung aufgeschreckt.

Schnell war klar: So etwas darf nicht noch einmal passieren. Und es wird es wohl auch nicht.

Der Manager hatte bei seinem Amtsantritt 2003 eine üppige Pensionsregelung ausgehandelt. Das Rundum-sorglos-Paket sah vor, dass Claassen nach dem Ausscheiden bis zum Erreichen der EnBW-Altersgrenze von 63 Jahren Anspruch auf ein Übergangsgeld in Höhe von 398 000 Euro jährlich habe. Nach 2026 hätte Claassen eine lebenslange Rente in gleicher Höhe erhalten. Diese Ansprüche galten laut Vertrag auch dann, wenn der Top-Manager - wie tatsächlich geschehen - schnell das Unternehmen wieder verlässt.

Das ist Vergangenheit: Das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG), das seit August 2009 gilt, macht die Bezahlung von Spitzenmanagern transparenter - inklusive der mit Abstand teuersten Nebenleistung Pensionen. Die Folge: Immer mehr Unternehmen stellen auf ein beitragsfinanziertes System um. Je länger eingezahlt wird, desto höher ist der Rentenanspruch. Auch Vorstandschefs müssen wie normale Mitarbeiter für die Finanzierung ihres Ruhestands hart und lange arbeiten.

Noch haben nicht alle Unternehmen umgestellt. Mit BASF oder Thyssen-Krupp sind gewichtige Namen ihrem bisherigen System treu geblieben. "Wir betrachten es als gut akzeptiert und wettbewerbsfähig und sehen daher derzeit keinen Grund, es zu ändern", erklärte eine BASF-Sprecherin.

Doch der Druck wächst. Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, wundert sich schon lange darüber, "dass die immensen Pensionsleistungen der Unternehmen für ihre Vorstände im Ringen um mehr Transparenz so lange außen vor geblieben sind".

Das wundert in der Tat. Im Durchschnitt kosteten die Pensionen der Ex-Vorstände jeden der 30 Dax-Konzerne im Geschäftsjahr 2009 nach Berechnungen des Vergütungsexperten Heinz Evers sieben Mio. Euro. Die Altersbezüge der ehemaligen waren damit halb so hoch wie die Bezüge der aktiven Vorstandsmitglieder. Heraus sticht Thyssen-Krupp: Den pensionierten Vorständen des Ruhrkonzerns wird der Ruhestand mit 24,4 Mio. Euro versüßt. Die Mannschaft um Konzernchef Ekkehard Schulz muss sich mit 6,5 Mio. Euro bescheiden.

Seite 1:

Vorstände verlieren ihre goldene Hängematte

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Neue Pensionsregeln: Vorstände verlieren ihre goldene Hängematte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Vorstände der Commerzbank liegen noch immer in der goldenen Hängematte ??

    EiNE bANK, - WELCHE ZU DEN GRÖSSTEN KAPiTALVERNiCHTERN iN DE ZAHLT!!

    EiNE bANK, - WELCHE OHNE DiE STEUERGELDER DES KLENEN MANNES iNSOLVENZ HÄTTE ANMELDEN MÜSSEN!!

    Diese bandieten fahren eine bank komplette an die Wand, ruinieren Aktionäre und Kapitalanlegen und diese Vorstände stecken sich weiter ungestraft die Taschen voll??

    iST JA AN PERVERSiON KAUM NOCH ZU ÜbERbiETEN

    Diese Kapitalverbrecher gehören enteignet und für für den Rest des Lebens weggesteckt.

    Aber da in den Vorständen der Commerzbank auch Politiker ihr Unwesen getrieben haben, wird allgemeines Recht kurzerhand ausser Kraft gesetzt!

    GESETZE GELTEN FÜR DEN KLEiNEN MANN, - FÜR DiE LObbY DER VORSTÄNDE UND POLiTiKER SiND DiESE AUSSER KRAFT GESETZT!!

  • @ Jonas - Sie haben natuerlich recht! Kapitalisten haben wir nicht mehr. Die Aktionaere als Eigentuemer haben keine direkte Macht. Die meisten Leute kaufen eh lieber Fonds oder indexzertifikate. Daher wird alle wirtschaftliche Macht von einer neuen Herrschaftselite ausgeuebt, die der Volksmund gern „gierige Manager“ nennt. Ueber Gewerkschaften, inlaendische und auslaendische Kapitalsammelstellen (Pensionsfonds, Versicherungen, banken, Hedgefonds etc.) uebt die neue Herrschaftselite die klassischen Rechte der Anteilseigner aus. Aufsichtsraete und Vorstaende gehoeren der gleichen Klasse bestellter Manager an und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die neue Herrschaftselite sich weitgehend selbst kontrolliert. Ein selbstbedienungsladen ohnegleichen! Mit gesetzlichen bestimmungen zur Angemessenheit der Verguetungen laesst sich das Problem mit Sicherheit nicht beheben. Politiker verstehen sich uebrigens als Angehoerige derselben Klasse. Je hoeher die Mobilitaet zwischen Wirtschaft und Politik, desto mehr muss man von einer Verseilschaftung der Wirtschaft und der Politik ausgehen. im interesse einer freien Marktwirtschaft ist das jedenfalls nicht.

  • Dort, wo Selbstbedienung vorherrscht, wird gerne zugegriffen. Dort, wo Kontrolle fehlt, bilden sich kriminelle Vereinigungen, die Vermögen anderer, hier Firmenvermögen, unterschlagen, ohne dafür bestraft zu werden, obwohl die Gesetzeslage schon lange da ist. Deutschland ist durch und durch von korrupten Führungsriegen verseucht. in orndentlichen Ländern würde man sie zur Rechenshaft ziehen und ihnen die Köpfe abschlagen. in der bananenrepublik Deustchland werden sie hofiert von speichelleckenden Ratten die hoffen daß etwas vomn dem Geld an sie abfällt.

    SPERRT SiE ALLE EiN !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%