Neue Strategien
Junge Einzelhändler – geistreich und benebelt

Junge Unternehmer setzen immer stärker auf die Kombination ungewöhnlicher Sortimente. Mit dieser Strategie verändern sich mittlerweile viele Einzel- und Familienunternehmer im Fachhandel und versuchen, sich so der Branchenkrise zu entziehen. Auffallen statt im Einheitsbrei zu schwimmen lautet die Devise.

DÜSSELDORF. Raphael Vollmar ist ein begeisterter Verkäufer: Er bringt an den Mann, was woanders im Laden verstauben würde. Kürzlich hat der 29-Jährige vier Kristallpanther à 1 600 Euro in seinem Bonner Fachhandelsgeschäft Honigmond verkauft. "Wer zu uns in den Laden kommt, der weiß häufig nicht, was er will. Die meisten lassen sich inspirieren", sagt er. Kunden verlassen sein Geschäft deswegen oft mit ungewöhnlichen Kombinationen in der Einkaufstasche: Flasche Champagner und goldener Löffel oder Buch und Gänseleberpastete.

Vollmar ist auf den ersten Blick ein typischer deutscher Einzelhandelsbetrieb, ein Familienunternehmen in der vierten Generation. Doch im Gegensatz zu Händlern, die wegen des harten Wettbewerbs aufgeben und sich aus den Innenstädten zurückziehen, behauptet sich der Betrieb - und zwar mit einem ungewöhnlichen Konzept.

Im Traditionshaus von Vollmars Eltern gingen die Umsätze mit hochwertigem Porzellan und Kristall in den vergangenen Jahren stetig zurück. Der Jungunternehmer musste gegensteuern und gründete im vorigen Jahr Honigmond. Das Besondere daran: Er kombiniert Sortimente, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Gartenwerkzeug und Kristall, Babysachen und Feinkost, Bildbände und Porzellan.

Mit dieser Strategie verändern sich mittlerweile viele Einzel- und Familienunternehmer im Fachhandel und versuchen, sich so der Branchenkrise zu entziehen. Es wird querfeldein kombiniert: In Hamburg finden sich Geschäfte, die Schuhe und Wein zugleich verkaufen oder Blumen und Schokolade. In Berlin kombiniert ein Jungunternehmer Currywurst und Kunst in edlem Ambiente. Ebenfalls in Hamburg haben sich ein Reisebüro und ein Frisör zusammengetan - nach der Dauerwelle kann dort der nächste Mallorca-Aufenthalt gebucht werden.

Auffallen statt im Einheitsbrei zu schwimmen - so lautet die Devise der jungen Einzelhändler. 200 Beispiele der so genannten "gekoppelten Nutzung" hat das Deutsche Seminar für Städtebau und Wirtschaft (DSSW) in einer Studie zusammengefasst (siehe "Gekoppelte Angebote"). "Die Branchenmischung nimmt zu", sagt Susann Liepe vom DSSW, Co-Autorin der Studie. "Anfangs sind uns diese Konzepte in Großstädten aufgefallen, jetzt sehen wir mehr und mehr davon in Kleinstädten." Häufig seien es Einzelunternehmer mit langjähriger Erfahrung in einem Bereich, die merken, dass sie mit einem Standbein nicht mehr auskommen.

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