Neue Turbulenzen für BA-Chef
Willie Walsh hält klaren Kurs

Immer wenn ein Problem überwunden ist, dann baut sich eine neue Hürde vor Willie Walsh auf. Der Chef von British Airways (BA) musste in diesem Jahr schon ein enormes Loch in der Pensionskasse stopfen, einen Streik des Kabinenpersonals abwenden, eine schmerzliche Rückstellung für versuchte Preisabsprachen verkraften.

LONDON. Nun stellt sich auch noch der langjährige Allianzpartner Iberia zur unpassendsten Zeit zum Verkauf. Gerne hätte Walsh die spanische Fluggesellschaft, an der BA zehn Prozent hält, gekauft. Aber dafür müsste er von seinem Plan abweichen: BA zur modernsten und profitabelsten unter den europäischen Fluggesellschaften umzugestalten. Zehn Prozent operative Rendite sind das Ziel, dem er alles unterordnet. So bleibt im Fall Iberia nur die Rolle eines Juniorpartners im Konsortium mit dem US-Finanzinvestor TPG und weiteren Investoren.

Dass er nicht vor harten Entscheidungen zurückscheut, hat Walsh mehrfach bewiesen. Als erprobter Sanierer, der die irische Staatsfluggesellschaft Aer Lingus konsequent auf Billigflieger getrimmt und so vor der drohenden Pleite gerettet hatte, kam er 2005 zu BA. Hier schien vergleichsweise alles im Lot: Man zählte ja zur Spitze in Europa, vor allem was die Gewinne anbelangte.

Doch der klein gewachsene Ire mit dem Bürstenschnitt bewies, dass da noch viel Luft drin war: Kurzerhand setzte er das halbe Top-Management und ein Drittel der mittleren Führungsebene an die frische Luft. Damit war allen klar, wie ernst es der Ex-Pilot meinte. Die Regionalflugtochter BA Connect durfte erst einen Neustart versuchen, doch nach sieben Monaten riss Walsh der Geduldsfaden. Er stieß sie ab.

Dass er so früher oder später mit den bei BA traditionell sehr starken Gewerkschaften zusammenstoßen würde, war klar. Anfang des Jahres kam es zum Krach: Die Basis rebellierte gegen eine Einigung zum Abbau des Pensionsdefizits, die die Gewerkschaftsführer mit dem Management ausgehandelt hatten, und der ganze Unmut über die Reformen brach heraus. Die Öffentlichkeit diskutierte tagelang über Krankheitstage für eingewachsene Fußnägel - und das Image der BA litt.

Mangelt es Walsh an Diplomatie? "Es fragt sich, wie viel Schaum er noch im Feuerlöscher hat", sagte ein Analyst. Offenbar genug - bisher hat der Mittvierziger alle Krisen gemeistert. Doch das kostete Geld: Hunderte Millionen Euro für die wegen des Arbeitskampfs gestrichenen Flüge, mehr als eine halbe Milliarde Euro für den Versuch der Preisabsprachen. Nun ist Walsh wieder weit vom Zehn-Prozent-Renditeziel entfernt. Doch an seiner Entschlossenheit gibt es wohl nichts zu zweifeln.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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