Neue Vorwürfe wegen Schleichwerbung
Bavaria-Chef Kleine beurlaubt

Im Zusammenhang mit dem Skandal um unzulässige Schleichwerbung in ARD-Serien wurde der bereits abgemahnte Bavaria-Geschäftsführer Thilo Kleine am Freitag beurlaubt.

HB HAMBURG. Der Bavaria-Aufsichtsrat habe den 52-Jährigen mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres von seinen Aufgaben entbunden, teilte der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Grätz, der auch Rundfunkratsvorsitzender beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) ist, am Freitag mit.

Diese Entscheidung beruhe auf neuen Vorwürfen, die im Nachgang zur Aufsichtsratssitzung der Bavaria Film GmbH vom 1. Juli erhoben worden seien. Vor einer Woche hatte Kleine eine Abmahnung erhalten. Verantwortliche Produzenten und Chefdramaturgen wurden entlassen. Um welche neuen Vorwürfe es sich handelte, teilten Grätz und die Bavaria zunächst nicht mit.

Am Donnerstag hatte der WDR bekannt gegeben, es gebe nun Hinweise auf Schleichwerbung in „Tatorten“ aus Köln und Münster. Sie werden von der Bavaria-Tochter Colonia Media produziert. Die Entscheidung, Kleine zu beurlauben, soll aber nicht mit den Vorwürfen gegen Colonia Media zusammenhängen. Auch beim „Tatort“ aus Stuttgart, produziert von der Bavaria-Tochter Maran-Film, soll Schleichwerbung im Spiel gewesen sein.

Zuvor war bekannt geworden, dass es bei Produktionen für die ARD- Serien „Marienhof“ und „In aller Freundschaft“ in 117 Fällen zu verbotener Schleichwerbung gekommen war. Verschiedene Unternehmen hatten über eine Vermittlungsagentur ihre Produkte gegen Entgelt platzieren können. In Presseberichten war von einem Volumen von 3,5 Mill. € die Rede.

Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat sahen darin bereits am vergangenen Freitag einen massiven Vertragsverstoß und eine erhebliche Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen den Auftraggebern und der Bavaria. Die Gesellschafter beschlossen darüber hinaus einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um Schleichwerbung künftig zu verhindern.

Der Medienmanager Thilo Kleine ist seit 1994 Geschäftsführer der Bavaria Film in München. Geboren in Köln, studierte er Germanistik, Theaterwissenschaften und Philosophie in Münster und München. Kleine arbeitete zunächst im Produktionsbereich beim Bayerischen Rundfunks, bevor er 1980 als Dramaturg zu Monaco Film wechselte. Bereits ein Jahr später zog es ihn aber wieder als NDR-Redakteur zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk zurück.

1988 wurde Kleine Mitgesellschafter und Produzent bei der Neuen deutschen Filmgesellschaft (ndF). Dort produzierte er für öffentlich- rechtliche und private Sender Fernsehfilme und Serien wie „Forsthaus Falkenau“ oder „Der Bergdoktor“. 1994 wechselte Kleine als Geschäftsführer zur Bavaria Film. Kleine ist Honorarprofessor für Fernsehproduktion und hat sich als Produzent zuletzt mit dem ARD- Dreiteiler „Speer und Er“ einen Namen gemacht.

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