Neue Wege in der Werbung: Graffiti-Kampagnen versprühen Jugendkult

Neue Wege in der Werbung
Graffiti-Kampagnen versprühen Jugendkult

Mit coolen Graffities wollen Konzerne das Image ihrer Marken aufpolieren. Mit knalligen Farben und staubigem Straßen-Charme wollen sie auf sich aufmerksam machen. Doch für manches Unternehmen erweist sich die Idee als Flop.

KÖLN. Die Berliner Polizisten mussten es schon als dreist empfinden, was sie da sahen: Ein Sprayer stand auf einer meterhohen Leiter und sprühte am helllichten Tag unbekümmert ein Graffiti an die Hauswand: ein großes Bild von einer kugeligen Figur mit drei Augen. Die Streife pflückte den Sprayer kurzerhand von der Wand. Was sie nicht ahnten: Die Aktion war völlig legal. Der Hausbesitzer hatte sein Einverständnis gegeben - und war damit Teil einer großangelegten Graffiti-Kampagne für das Gerät Ogo, eine Art Blackberry für Teenies. An mehr als 60 Stellen in der Hauptstadt sprühten zwei Szenekünstler Ende 2007 die dreiäugige Werbefigur. Sie hing an Plakatwänden, baumelte an Jalousien oder grüßte von Hausfassaden.

"Das Graffiti ist eine schnelle, einfache und billige Form, um Aufmerksamkeit zu erhalten", sagt Konrad Zerr, Professor für Marketing an der Fachhochschule Pforzheim. Die Ogo-Graffiti etwa kosteten inklusive Internetseite und ein wenig Onlinewerbung lediglich 300 000 Euro - ein Bruchteil dessen, was Unternehmen sonst für klassische Werbung ausgeben. Aus Sicht der verantwortlichen Werbeagentur war die Kampagne ein Erfolg. "Nach vier Wochen war das Gerät in Deutschland ausverkauft", sagt Lars Oehlschlaeger, Geschäftsführer der Agentur Robot Berlin. "Der Hersteller hat uns die Nutzungsrechte an der Idee abgekauft, um damit auch in den USA und Asien zu werben."

Um vor allem die junge Zielgruppe zu erreichen, versuchen es Unternehmen mit dieser Guerillataktik. Waren es zu Beginn vor allem kleine Unternehmen, die trotz ihrer schmalen Werbebudgets auffallen wollten, haben inzwischen auch Weltfirmen wie Sportartikelhersteller Nike oder das Elektronikunternehmen Sony das Graffiti als Kommunikationsstrategie aufgegriffen. "Mit klassischer Werbung erreichen die Unternehmen die Menschen nicht mehr", sagt Zerr. "Sie klammern sich jetzt an den letzten Strohhalm, um jung und kultig zu erscheinen."

Der Autobauer Opel etwa mühte sich vor zwei Jahren, sein etwas muffiges Image bei den 20- bis 30-Jährigen abzuschütteln: In Großstädten wie Berlin und Köln ließ der Autohersteller die Motive der fiktiven Band "C?mons" an die Mauern sprühen. Weil die Gruppe aus fünf knallbunten und breitmauligen Stoffpuppen bestand, fielen die Bilder ins Auge. Später schlug Opel dann den Bogen zu seinem neuen Corsa.

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