Neue Werbemethoden
Alternative Sandkastenspiele

Zwischen 20 bis 49 Jahre, onlinebegeistert und kostenbewusst – das ist die Zielgruppe, die die Comdirect Bank und Germanwings und VW über das Internet erreichen wollen. Die drei Unternehmen testen neue Werbemethoden: Wer kostenlos telefonieren will, muss dabei ihre Werbung ansehen.

DÜSSELDORF. Ihre Zielgruppe wollen Comdirect Bank und Germanwings über das Internet erreichen. Genauer gesagt über Werbung auf der Webseite namens » www.peterzahlt.de. Das Besondere daran ist, dass diese Internetseite es den Nutzern – dieselbe Zielgruppe wie die der Airline und der Direktbank – ermöglicht, kostenlose Telefongespräche zu führen.

Der Dreh funktioniert so: Die Nutzer geben die eigene Telefonnummer und die des Gesprächspartners im Netz ein, und der Anbieter stellt eine Verbindung her. Während des Gespräches darf der Computer nicht ausgeschaltet werden, denn auf dem Bildschirm läuft Werbung. Hält sich der Nutzer nicht daran, unterbricht der Anbieter das Telefonat. Neben der Comdirect Bank und Germanwings nutzen auch die Volkswagen Bank und D.A.S. Versicherungen diese Werbeplattform der Goyellow-Tochter. Goyellow ist ein Branchenbuch im Internet, das regionale Werbung ermöglicht. Zum Beispiel wie bei www.peterzahlt.de durch die Vorwahlen. Die Zahl der schnellen Internetzugänge steigt, die Akzeptanz von Online-Werbung auch. Immerhin haben laut Online-Studie 2007 von ARD und ZDF 59 Prozent der Deutschen einen DSL/Breitbandanschluss und 16 Prozent der Onliner sehen mindestens einmal die Woche Videos im Netz an.

Und so wirbt Germanwings auf www.peterzahlt.de bereits „mit emotionalisierender Videowerbung in enger Anlehnung an unsere TV-Spots“, berichtet Marketingmanager Gunnar Möller von Germanwings. Und: „Wird Internetwerbung richtig gesteuert, ist sie günstiger als herkömmliche Werbung“, meint Marketingexperte Ralf Strehlau, Geschäftsführer von Anxo Management Consulting. Für Videowerbung liegen die Kosten bei 50 bis 70 Euro. Abgerechnet wird nach dem Tausenderkontaktpreis. Alternativ dazu kann „Cost per Click“ abgerechnet werden: Also erst wenn ein Nutzer auf eine Werbung klickt, muss das Unternehmen dahinter einen festgelegten Preis zahlen. Der hängt ab von der Zielgruppe, den Produkten und Dienstleistungen. Die Spanne liegt bei zehn Cent bis hin zu vier Euro – je nach Branche.

„Allerdings ist es zum Beispiel für Imageanzeigen im Internet genauso schwierig wie bei klassischer Werbung, die Wirkung zu messen“, gibt Strehlau zu bedenken. Online-Shops dagegen können auf den Cent ausrechnen, was sie Internetwerbung kostet – an der Zahl der Webseitenbesucher. Für die Unternehmen scheint sich das zu lohnen. Germanwings steckt einen zweistelligen Prozentsatz des Gesamtwerbebudgets in den Online-Markt – mit steigender Tendenz. Ähnlich Comdirect: „Rund ein Drittel unseres Werbebudgets geben wir für Online-Kampagnen aus“, so Comdirect-Marketingprofi Richard Welge. Markenexperte Bernd Michael und Ex-Europachef der Werbeagentur Grey nennt diese Werbeexperimente der Unternehmen „alternative Sandkastenspiele“.

Besonders „mutig“ fand er das Sponsoring von Volkswagen beim Horst-Schlämmer- Blog: „Doch etwas Besseres kann einem Unternehmen nicht passieren. Die Werbung war Stadtgespräch.“ Und selbst wenn damit nicht unbedingt die Zielgruppe erreicht wird, so darf man doch den Multiplikatoreneffekt der Jugend nicht vergessen, so Michael. Denn sie beeinflusst wiederum die Eltern. Er erwartet einen Werbeboom: und zwar in der Kombination von Online- und Mobil-Marketing: „Doch wann, das lässt sich noch nicht abschätzen.“

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