Neuer AIG-Chef
AIG: Benmosches erster Sieg

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat Robert H. Benmosche Durchsetzungsfähigkeit bewiesen, wenn auch zunächst nur in eigener Sache: Der neue Chef des Skandalversicherers AIG setzt in Washington ein Millionengehalt durch.

NEW YORK. Der neue Chef des vom Staat mit 180 Mrd. Dollar gestützten Versicherers AIG setzte ein Gehalt von sieben Mio. Dollar durch. Und das trotz des fast täglich neu aufbrandenden Unmuts über die Millionengehälter "gieriger und unfähiger" Manager im US-Kongress und der Boulevardpresse. Zum Vergleich: Sein Vorgänger Ed Liddy, der nach einem Dreivierteljahr entnervt vom öffentlichen Hickhack um Boni und Bezahlung seiner Mitarbeiter aufgab, bezog ein Gehalt von einem Dollar.

Um Kritikern frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen, teilte AIG mit, der Sonderbeauftragte der US-Regierung für Managergehälter, Kenneth Feinberg, habe das Gehalt des Ex-Metlife-Chefs Benmosche im Grundsatz gebilligt. Einem Bericht des Wall Street Journals zufolge hatte Benmosche Feinberg wissen lassen, dass er seinen Ruhestand nicht für einen Dollar gegen den Schleudersitz an der AIG-Spitze eintauschen werde. Er sei "bereit, sich wieder zu verabschieden, wenn die Frage der Bezahlung nicht schnell gelöst werde", habe das 65-jährige Wall-Street-Urgestein gedroht. Benmosche erhält nun ein Grundgehalt von drei Mio. Dollar in bar plus AIG-Aktien im Wert von vier Mio. Dollar. Zudem kann er einen Bonus von bis zu 3,5 Mio. Dollar bekommen.

Vorgänger Liddy, den die US-Regierung nach dem AIG-Kollaps im Herbst 2008 ebenfalls als Retter aus dem Ruhestand geholt hatte, dürfte das Benmosche-Gehalt als Schmerzensgeld empfinden. Liddy hat seine Zeit bei AIG als eine der schwersten seiner Laufbahn beschrieben. Den Tag, an dem ihn ein Parlamentsausschuss wegen nur zum Teil von ihm zu verantwortender Boni für Mitarbeiter öffentlich durch die Mangel gedreht hat, bezeichnete er als den zweithärtesten seines Lebens. Nur der Tag, an dem seine Mutter gestorben sei, sei schlimmer gewesen.

Benmosche hat mit dem Millionengehalt die Latte für seine Amtszeit gleich sehr hoch gelegt. Dabei steht ihm ohnehin eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle Aufgabe bevor. Er muss den Löwenanteil der Töchter des ehemals weltweit größten Versicherungskonzerns verkaufen, um die Milliardenschulden beim Staat abzutragen. Nur einige kleinere Teile sind bereits verkauft. Der größte Brocken, der sich Mangels Käufern abzeichnende Börsengang der Sach- und Unfallversicherung Chartis, steht noch bevor. Aber mit schwierigen Börsengängen hat Benmosche Erfahrung. So transformierte der studierte Mathematiker die angeschlagene und genossenschaftlich organisierte Metlife Ende der 90er-Jahre in eine gewinnorientierte Firma und brachte sie 2000 gegen den Widerstand einiger Alteigentümer an die Börse.

Benmosche, der nach seiner Zeit im Vietnamkrieg als IT-Berater begann und später den heute zur UBS gehörenden Broker Paine Webber auf Vordermann brachte, wird beweisen müssen, dass er sein Gehalt auch Wert ist. Sonst blüht ihm ein weitaus heftigeres Parlamentsverhör in Washington. Denn anders als Liddy müsste er dann nicht die Bezahlung seiner Mitarbeiter, sondern seinen eigenen Gehaltscheck rechtfertigen.

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