Neuer AIG-Chef
Am Ziel seiner Träume

Er wollte schon sein Leben lang Chef an der Wall Street sein - im dritten Anlauf hat es Robert Willumstad geschafft. Er wird Chef des weltgrößten Versicherers AIG. Er muss nun den taumelnden Kolloss, der als unregierbar gilt, aus der Krise führen.

NEW YORK. Robert Willumstad wollte immer schon ein Chef an der Wall Street werden. Im dritten Anlauf hat er es geschafft. Bereits zweimal bemühte sich der gelernte Banker um den Chefposten eines großen Finanzinstituts. Erst unterlag er Charles Prince bei der Citigroup, Ende vergangenen Jahres zog der 62-jährige dann bei der gleichen Bank gegen Vikram Pandit den Kürzeren. Jetzt soll Willumstad den weltgrößten Versicherer AIG aus der Krise steuern. Seine neue Aufgabe ist gar nicht so verschieden von dem, was ihn bei der Citigroup erwartet hätte. Beide Häuser sind taumelnde Kolosse, die aufgrund ihrer Größe und Komplexität als unregierbar gelten.

Der gebürtige New Yorker ist mit solchen Finanzkonglomeraten gut vertraut. Jahrelang hat er als rechte Hand des damaligen Citigroup-Chefs Sandy Weill dessen zahllose Zukäufe in einen weltweiten Finanz-Supermarkt einverleibt. Seit diesen Tagen genießt Willumstad an der Wall Street einen ausgezeichneten Ruf als Pragmatiker. So hat er als Chef des globalen Konsumentengeschäfts bei Citi regelmäßig für gute Ergebnisse gesorgt. Als er trotz seiner langjährigen Erfahrungen bei der Citigroup nicht zum Zuge kam, zog er sich zurück und gründete eine Private-Equity-Firma.

Seine Berufung zum Chairman von AIG vor zwei Jahren brachte ihn zugleich in die Pole-Position für den Chefposten. Gespannt darf man darauf sein, wie Willumstad mit dem Großaktionär Hank Greenberg zurecht kommt. Der ehemalige AIG-Chef war einer der schärfsten Kritiker des bisherigen Managements. Zugleich hat Greenberg den Konzern in zahlreiche Geschäftsfelder geführt, die heute Probleme bereiten. Reibungen mit dem neuen AIG-Chef sind programmiert.

Kritiker glauben, dass Willumstad eher ein Banker sei und nur wenig vom Versicherungsgeschäft verstehe. Der Manager lässt sich davon nicht beirren und will bis Ende September seinen Plan für AIG vorlegen. "Ich werde entscheiden, ob AIG bestimmte Geschäftsfelder verlassen muss und wo wir mehr Kapital einsetzen", sagte der Manager dem "Wall Street Journal". Sein besonderes Augenmerk will er dabei auf jene Hypothekengeschäfte richten, die AIG in den vergangenen Monaten Abschreibungen in Höhe von 30 Mrd. Dollar beschert haben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%