Neuer Airbus-Chef
Louis Gallois: Der dritte Mann

Louis Gallois heißt die neue Nummer eins bei Europas Flugzeugbauer Airbus. Dass er politische Fettnäpfchen wahlweise zu umfahren oder zu umfliegen weiß, hat er mehrfach bewiesen. Und gerade seine Bescheidenheit hilft ihm, schmerzhafte Einschnitte durchzusetzen.

PARIS. Der Nächste, bitte. In weniger als hundert Tagen hat Airbus den dritten Chef verschlissen: Nach Gustav Humbert und drei Monaten mit Christian Streiff übernimmt nun Louis Gallois den Steuerknüppel beim einstigen Vorzeigeunternehmen. Gleichzeitig bleibt er Co-CEO bei der Airbus-Mutter EADS.

Wieder einmal scheint Louis Gallois für ein großes Unternehmen die letzte Rettung zu sein. Was die Airbus-Eigner beruhigen dürfte: Bisher hat Gallois stets die Kurve gekriegt – ob bei der französischen Staatsbahn SNCF oder beim Triebwerksbauer Snecma. Und das stets mit einem Lächeln – und mit Freundlichkeit.

Drei Jahre ist es her, da feierte Gallois als SNCF-Chef den einmilliardsten Passagier des Hochgeschwindigkeitszuges TGV. Feuerwerk spie Funken, als der rote Jubelzug durch eine Papierwand brach und die Blitzlichter zuckten. Louis Gallois stand auf dem Bahnsteig, grüßte hierhin, lächelte dorthin – nicht als Chef von allem, sondern als einer unter vielen. Das Unprätentiöse, das Bescheidene, gilt als seine große Stärke.

Der 63-Jährige sei stets um Ausgleich bemüht, heißt es in Paris. Das macht Gallois zum Gegenteil seines Vorgängers Streiff. Der hatte gleich nach seinem Amtsantritt im Juli auf stur geschaltet und wollte seinen Restrukturierungsplan „Power 8“ im Alleingang durchpauken. Mit den Bedenken des künftigen Airbus-Alleinaktionärs EADS und den politischen Verflechtungen mochte er sich nicht lange aufhalten.

Doch damit biss Streiff vor allem beim deutschen EADS-Co-Chef Thomas Enders auf Granit. Also warf Streiff hin und orakelt nun düster: „Wenn die Gouvernance-Regeln von Airbus sich nicht weiterentwickeln, besteht Anlass zur Sorge um die Zukunft des Unternehmens.“

Die Firma in der Krise, der politische Spielraum begrenzt, starke Gewerkschaften: Für Gallois ist so eine Situation nicht neu. Als die SNCF Mitte der 90er-Jahre im Schlamassel steckt, weil ihr Boss Loïk Le Floch-Prigent von einer Bestechungsaffäre aus seiner Zeit als Chef des Ölkonzerns Elf Aquitaine eingeholt wird, kommt Gallois ins Führerhaus. Dabei ist er wie bei EADS nur der dritte Mann – der spätere Schneider-Electric-Chef Henri Lachmann hatte ebenso abgewinkt wie Pierre Bilger vom Anlagenbauer Alstom.

Besonders mit politischen Fettnäpfchen ist Louis Gallois gut vertraut. 1996 war es, als der schlaksig wirkende Manager mit den buschigen Augenbrauen, der hohen Stirn und den markanten Ohren der konservativen Regierung von Premierminister Alain Juppé zur Hilfe eilt. Le Floch desavouiert, die Gewerkschaften auf den Barrikaden: Nichts geht mehr bei der SNCF. Louis Gallois kommt, schaut – und vermittelt.

In zehn Jahren machte er den lahmen Tanker SNCF flott, baute sogar ohne größeren Widerstand zahlreiche Stellen ab und bringt den Staatskonzern an den Rand der Gewinnzone. Und treten die Bahner doch mal in den Ausstand, ist sich Gallois nicht zu schade, sich bei genervten Fahrgästen auf den Bahnhöfen von Paris persönlich zu entschuldigen.

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