Neuer Chef
Accor: Führungswechsel mitten in der Krise

Der Abschied kam schnell und eiskalt: Kein Wort des Dankes fand die in Frankreich börsennotierte Accor-Hotelgruppe für ihren Deutschland-Chef Marc Hildebrand, der nach nur einem Jahr das Unternehmen verlässt. Nicht einmal die Floskel vom beiderseitigen Einverständnis fand in die Presseerklärung. Nachfolger wird der Niederländer Peter Verhoeven.

DÜSSELDORF. Verhoeven, 39, leitet seit zwei Jahren Accor in den Niederlanden. Er wird nun Chef von annähernd 350 Hotels in Deutschland, unter anderem der Marken Etap, Ibis, Mercure, Novotel, Pullman und Sofitel. Zusammen machen sie den französischen Konzern, der weltweit in der Hotellerie die Nummer vier ist, zum größten Bettenanbieter Deutschlands.

Verhoeven lernte das Hotelgeschäft bei der inzwischen insolventen Gruppe Golden Tulip International, arbeitete bei Grand Dorado, heute Center Parcs, dann im Disneyland-Resort bei Paris und schließlich beim Autovermieter Avis in Großbritannien.

Nun leistet sich Accor mitten in der Krise zum zweiten Mal in kurzer Zeit einen Führungswechsel bei der deutschen Tochter, die nach der französischen die größte im Hotelimperium ist. Vor einem Jahr musste der erfahrene Hotelier André Witschi überraschend abtreten. Er ist inzwischen Vorstandschef bei Steigenberger Hotels & Resorts.

Anders als sein Vorgänger brachte der zuweilen fast nassforsch auftretende Hildebrand keine Hotelerfahrung mit. Das stellte die Pariser Accor-Führung letztes Jahr noch als Vorteil heraus. Statt eines Hoteliers sollte ein Reisemanager die Geschicke der deutschen Tochter leiten. Der heute 40-jährige Bremer hatte zuvor in der Geschäftsreise-Branche gearbeitet, bei Hapag-Lloyd, der seinerzeitigen Tui-Tochter TQ 3 (heute BCD Travel) und zuletzt bei American Express.

Doch das Konzept mit der branchenfremden Führungskraft ging wohl nicht auf. Hildebrand ließ zwar erklären, unterschiedliche Auffassungen über die strategische Entwicklung der Gruppe hätten zur Trennung geführt. Aus der Branche aber ist zu hören, dass das fehlende Know-how und das mangelnde Verständnis für die Eigenheiten des Hotelbetriebes zum Scheitern Hildebrands geführt haben.

Übrig blieben aber einige bestens in der Pariser Konzernzentrale verdrahtete Führungskräfte, denen der Stil des neuen Mannes nicht passte - und die das hinter vorgehaltener Hand auch gerne erklärten. Offenbar gelang es Hildebrand nicht, in der immer wieder von Machtkämpfen erschütterten Accor-Führung an der Seine eine eigene starke Position aufzubauen - zumal Europa-Chef Michael Flaxman, der ihn einstellte, inzwischen konzernintern versetzt wurde.

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