Neuer Chef bei Telekom Austria
Hannes Ametsreiter: Drahtlos glücklich

Vergleichsweise jung ist der neue Chef der Telekom Austria. Hannes Ametsreiter ist 42 Jahre alt und erst seit April an der Spitze des Wiener Konzerns. Seit dieser Zeit kämpft der Salzburger mit den Problemen der Festnetzsparte. Die strukturellen Probleme seiner Branche will er mit Marketing-Instrumenten in den Griff bekommen.

WIEN. Die Augen sind hellwach, auf jede Frage gibt es eine klare und eindeutige Antwort. Hannes Ametsreiter ist Herr des Geschehens, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Mit seiner ruhigen, sonoren Stimme führt er vom Podium herab durch die Veranstaltung, der Saal gehört ihm. Eigentlich passt er so gar nicht nach Wien. Er kommt aus Salzburg, aus dem fernen Westen Österreichs. Schon seine Sprachfärbung klingt anders. Er hat nichts vom Schmäh, von dieser Schnoddrigkeit, die den Wienern häufig nachgesagt wird. Präzise und genau wirkt er, fast schon ein wenig angelsächsisch.

Vergleichsweise jung ist der Chef der Telekom Austria, erst seit April steht der 42-Jährige an der Spitze des Wiener Konzerns. Mit den grauen Schläfen wirkt er schon ein wenig älter, sie geben ihm ein Stückchen mehr an Seniorität. Die Zahlen, die er am Mittwoch auf der Halbjahrespressekonferenz verkündet, sind zwar nicht die allerbesten: minus 25 Prozent beim Überschuss, minus sechs Prozent beim Umsatz. Doch trotzdem steht die Telekom Austria noch vergleichsweise gut da, die Krisenfolgen halten sich in Grenzen. Das Unternehmen hat sogar den Rückkauf eigener Aktien beschlossen, ein Luxus in diesen rauen Zeiten. Ametsreiter verspricht eine Dividende, im Unterschied zu vielen Vorstandskollegen nennt er auch ein klares Gewinnziel für dieses Jahr: 1,9 Milliarden Euro will er operativ verdienen.

Ametsreiter ist natürlich ein schlauer Fuchs. Ein Hintertürchen hat er sich noch gelassen, sollte er das ambitionierte Ergebnisziel zum Jahresende doch nicht erreichen. Die Zusage über die 1,9 Milliarden gilt nur "auf Basis konstanter Wechselkurse" - und da könnte sich bei der Telekom Austria durchaus noch das eine oder andere tun. Die Wiener sind mit ihren Mobilfunktöchtern stark in Osteuropa vertreten. Sollte sich die Krise dort noch einmal verschärfen, hätte das unmittelbar Konsequenzen auf Wechselkurse und das Telekom-Ergebnis.

Für Frank Rothauge, der als Telekom-Analyst vom Bankhaus Sal. Oppenheim Hannes Ametsreiter schon länger beobachtet, ist die Ergebnisprognose jedenfalls erst einmal beruhigend. "Viele Beobachter, wir eingeschlossen, hatten das Risiko einer Gewinnwarnung gesehen", sagt der Branchenexperte aus Frankfurt.

Hannes Ametsreiter kann jedenfalls unterstellt werden, dass er solche Gewinnvorhersagen nicht ungeschützt macht. Auch wenn er erst seit wenigen Monaten an der Spitze des Unternehmens steht, so kennt er die Telekom Austria doch ziemlich genau. Seit 13 Jahren arbeitet er schon für den Wiener Konzern (etwa fünf Milliarden Euro Jahresumsatz, 16 000 Mitarbeiter). Seine Karriere hat in der Mobilfunk-Sparte begonnen, wo er vergleichsweise schnell zum Chef aufstieg. Auch privat hat er sich entsprechend festgelegt: Seine Frau kommt aus dem Unternehmen und hat mehrere Jahre die Mobilfunk-Tochter in Kroatien geleitet. Als im Frühjahr Konzernchef Boris Nemsic die Telekom Austria überraschend verließ, war ziemlich schnell klar, wer auf seinen Posten nachrückt.

Ametsreiter hat außer dem Mobilfunk noch ein zweites Steckenpferd: Er ist durch und durch ein Mann des Marketings. Aus diesem Feld nimmt er die Instrumente, mit denen er die strukturellen Probleme seiner Branche in den Griff bekommen will. Während die Telekom Austria - wie andere Unternehmen auch - im Mobilfunk noch deutlich besser dasteht, ist das Festnetz der große Problembereich. In Österreich kommt dazu, dass der Mobilfunk in den vergangenen Jahren eine viel größere Bedeutung bekommen hat als in den meisten anderen Ländern. Das Festnetz erreicht in der Sprachtelefonie in der Alpenrepublik gerade noch einen Marktanteil von 24 Prozent. In Deutschland liegt dieser Wert etwa doppelt so hoch. Kein Wunder also, dass viele Österreicher inzwischen auf einen Festnetz-Anschluss verzichten und nur mit der Mobilnummer im Telefonbuch stehen.

Die Antwort des Marketing-Fachmanns Ametsreiter darauf heißt: Bündelpakete. Telekom Austria verkauft im eigenen Land vergleichsweise erfolgreich Festnetz-Anschluss, Mobiltelefon und Kabelfernsehen in einem Paket. Damit ist es dem Konzernchef gelungen, den Kundenschwund im Festnetzbereich deutlich zu stoppen. Die Wiener haben zuletzt nur noch 2,8 Prozent ihrer Sprachtelefonie-Kunden im Festnetz verloren. Bei der Deutschen Telekom waren es gut neun Prozent. "Und darauf sind wir stolz", verkündet Ametsreiter mit einem kleinen Seitenhieb auf den zehnmal größeren Wettbewerber aus Bonn.

Abfinden musste sich der Telekom-Chef allerdings damit, dass ihm die Politik in Wien immer noch ordentlich ins Geschäft hineinredet. Schließlich hält der Staat weiterhin knapp 30 Prozent der Anteile. Vor allem im Festnetz-Bereich würde er liebend gern die viel flexibleren Strukturen aus der Mobilfunk-Sparte übernehmen. Aber wo Beamte sitzen, ist die schützende Hand von Vater Staat nicht fern. Immerhin zeichnet sich jetzt eine Lösung ab: Ametsreiter kann überflüssige Beamte wahrscheinlich schon bald in den Verwaltungsdienst von Österreichs Polizei hinüberschieben.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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