Neuer Chef
Beru beendet Hängepartie

Das dreimonatige Machtvakuum an der Spitze von Beru endet am 1. Oktober. Dann übernimmt Thomas Waldhier den Chefposten beim schwäbischen Automobilzulieferer aus Ludwigsburg.

STUTTGART. Mit dem Wirtschaftsingenieur hat der Hersteller von Dieseltechnologie einen Manager mit über zehn Jahren Erfahrung als Geschäftsführer in der Automobilzulieferindustrie gefunden. Seit April 2004 war er Geschäftsführer der SAS Autosystemtechnik, Karlsruhe, eines Joint Ventures von Faurecia und SiemensVDO mit rund 4 000 Mitarbeitern an mehr als 20 Standorten weltweit.

Vor seiner Industrie-Karriere arbeitete der gebürtige Kaufbeurer am angesehenen Institut für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation an der Universität Karlsruhe, das von Prof. Gert Zülch geleitet wird. Waldhier promovierte 1993 zu dem Thema „Integrierte rechnergestützte Produkt- und Arbeitsplatzgestaltung für stationäre und manuelle Montage“. Der 44-Jährige kommt zu Beru in einer zwar wirtschaftlich soliden, aber etwas unübersichtlichen Situation. Die tatsächlichen Gründe für das im April angekündigte und Ende Juni vollzogene vorzeitige Ausscheiden seines Vorgängers Marco von Maltzan sind immer noch im Dunkeln. Die Börse ließ die Aktie in den vergangenen Monaten von 88 Euro auf 72 Euro sinken. Gestern notierte sie bei 73,50 Euro.

Mit der fehlenden Erklärung für den Chefwechsel weckt das Unternehmen Erinnerungen an turbulentere Zeiten. Denn Beru war eines der ersten Unternehmen im Ländle, bei denen ein Finanzinvestor einstieg. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatten Alteigentümer 1999 eine Sperrminorität an den amerikanischen Investor Carlyle weitergereicht.

Damals wehrte sich Vorstand Ulrich Ruetz in guter schwäbischer Manier gegen den wachsenden Fremdeinfluss, blieb aber letztlich erfolglos. Er gab im Jahr 2003 auf und machte für BMW-Manager Maltzan Platz. Carlyle und die einstigen Familieneigner gaben in dessen Amtszeit ihre Anteile an das US-Unternehmen Borg Warner weiter. Ruetz bezeichnete das später als einen „fragwürdigen Ausverkauf“, den das Management „mangels eigener Kreativität“ unterstützt habe.

Aber unter dem Dach von Borg Warner und der Führung Maltzans hat sich Beru in den vergangenen drei Jahren nicht gerade schlecht im schwierigen Automobilmarkt entwickelt. Der Umsatz stieg jedes Jahr durchschnittlich um zehn Prozent. Beru ist heute mit 2 500 Beschäftigten, 440 Millionen Euro Umsatz und einer Ebit-Marge von 12,2 Prozent einer der führenden Hersteller von Zündungs- und Kaltstarttechnik für Dieselmotoren.

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