Neuer Chef der Bilanzpolizei
Ein hartnäckiger Rechner

Herbert Meyer, der ehemalige Finanzchef von Heideldruck, wird neuer Chef der Bilanzpolizei. Wer den heute 60-Jährigen kennt, weiß, dass er dafür die notwendige Mischung aus Durchsetzungsfähigkeit und Charme besitzt. Das ist wichtig, kann es dort doch durchaus ans Eingemachte gehen.

FRANKFURT. So schnell vergisst Herbert Meyer nichts. „Er erinnert sich immer an Dinge aus der Vergangenheit und fragt genau nach“, beschreibt einer seiner Weggefährten den ehemaligen Finanzchef der Heidelberger Druckmaschinen AG. Anstrengend sei das für den einen oder anderen Kollegen in Heidelberg gewesen. „Aber für seinen neuen Job ist das natürlich ideal.“

Die neue Aufgabe – das wird ab dem 1. Juli das Amt des Präsidenten der Bilanzpolizei sein. „Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung“ lautet der offizielle Name des eingetragenen Vereins. Die 2005 gegründete DPR, die privat organisiert ist und von der Wirtschaft getragen wird, prüft Jahresabschlüsse und künftig auch Halbjahresberichte auf Einhaltung der Bilanzierungsvorschriften. Gibt es Beanstandungen, geht der Fall weiter an die Finanzaufsicht BaFin, die dann über weitere Maßnahmen wie etwa die Veröffentlichung des Vorfalls entscheidet.

Mit Meyer hat sich der Verein einen kompetenten Chef an Bord geholt. Der 1946 in Eckernförde geborene Manager ist ein nüchterner Rechner. Er kennt sich mit Bilanzvorschriften bestens aus, weiß zugleich aber auch um die Nöte der Unternehmen. Seine Karriere begann er 1977 bei Robert Bosch. Von 1994 bis zum September vergangenen Jahres begleitete er Heidelberger Druck als Finanzvorstand durch so manche Höhen und Tiefen. Er führte das Unternehmen 1997 an die Börse, arbeitete an der Internationalisierung mit und musste 2003 und 2004, als die Druckindustrie in die bislang härteste Krise schlitterte, viele unbequeme Entscheidungen treffen.

Wer den heute 60-Jährigen kennt, weiß, dass er dafür die notwendige Mischung aus Durchsetzungsfähigkeit und Charme besitzt. „Er hat keine Probleme damit, seine Meinung kundzutun, ob nach oben oder nach unten“, beschreibt ein ehemaliger Kollege den Diplomkaufmann. Das ist wichtig für die neue Aufgabe, kann es dort doch durchaus ans Eingemachte gehen. So musste der angeschlagene Puppenhersteller Zapf zu Jahresbeginn auf Drängen der Bilanzpolizei das Ergebnis für das Jahr 2004 um über eine Million Euro nach unten korrigieren.

Doch auch Fälle wie diese werden Meyer den Spaß an dem neuen Job kaum vermiesen können. Der leidenschaftliche Spanien-Fan und begeisterte Tennis-Spieler liebt die Herausforderung. Den notwendigen Ausgleich holt er sich bei seiner Familie. Er ist mit einer Ärztin verheiratet und hat zwei Söhne.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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