Neuer Chef der britischen Bekleidungskette Next
Simon Wolfson: Konservativer Youngster mit Gespür für Mode

Im Sommer übernimmt der 33-Jährige Simon Wolfson die Leitung des britischen Milliardenkonzerns Next. Schon als Hosenverkäufer hatte er pfiffige Ideen. Prompt heuerte ihn der damalige Next-Chef als persönlichen Assistenten an. Trotz heftiger heimischer Konkurrenz hat Wolfson keine Auslandspläne.

Andere würden Party machen. Champagner, Disko, lange Nächte. Wer mit 33 Jahren Millionär ist und demnächst für 1,5 Millionen Mark Jahresgehalt die Führung eines Konzerns übernimmt, hat allen Grund zu feiern. Andere wären aber auch nicht wie Simon Wolfson mit Anfang dreißig auf den Posten des Chief Executive Officers der britischen Bekleidungskette Next Plc gekommen.

Der junge Mann, der zehn Jahre jünger aussieht und wie sein 20 Jahre älterer Bruder spricht, verkörpert schon mit seinem Outfit eines Oberstufengymnasiasten alles andere als die Spaßkultur, die Internet-Manager so gern zelebrieren. Cambridge-Absolvent Wolfson tritt meist im dunklen, dezent gestreiften Next-Anzug auf. Und nach der spektakulären Ankündigung, dass er Anfang August die Führung des 10-Milliarden-Mark-Unternehmens übernimmt, war er schon wieder in Schottland unterwegs, um weitere Filialen unter die Lupe zu nehmen.

Konservativ gediegenes Markenprofil

„Ich liebe Next, ich liebe unsere Produkte“ – Wolfson lebt das konservativ gediegene Markenprofil der Einzelhandelskette. Das eher ungewöhnliche Bekenntnis kommt wie jedes Wort ruhig und mit Bedacht über die schmalen Lippen des zielstrebigen Arbeiters Wolfson. Wenn er den Chefsessel von David Jones übernimmt, ist er nicht nur der jüngste Konzernchef einer britischen Blue-Chip-Firma. Der Junggeselle schafft zudem den Aufstieg in den Olymp der Londoner Finanzwelt, wo Next gerade in den FTSE-100-Index aufgerückt ist.

Wolfsons Erfolg hat zwei Väter. Jones ist einer von ihnen. Der 58-Jährige wechselt im Sommer nach zwölf Jahren an der Next-Spitze auf den Posten des stellvertretenden Chairman. Ein anderer ist Simons Vater, Lord Wolfson of Sunningdale, der früher selbst einmal Chairman von Next war. Die Wolfsons sind eine alteingesessene, englische Familie, die den Handelskonzern Great Universal Stores (mit der Marke Burberry) gegründet hat. Sprössling Simon setzt bei Next also die Tradition der Familie fort. „Papa’s Darling“ komme nun auf den Next-Chefposten, spöttelte darum die Presse.

Dabei hat ihm sein Vater nur zum Start seiner Karriere verholfen. Chairman Lord Wolfson verschaffte Anfang der neunziger Jahre dem jungen Juristen Simon nach seinem Abschluss am ehrwürdigen Trinity College in Cambridge für drei Monate einen Job in einer Londoner Next-Filiale. Der Filius, damals 23 Jahre alt, verkaufte nicht nur Hemden und Hosen, sondern machte sich auch Notizen.

„Die meisten Sachen, die ich aufschrieb, waren Kleinigkeiten, wie man den Laden verbessern könne“, erzählt er lächelnd. So hielt er in seiner Kladde fest, wo man die Etiketten an Röcken anbringen sollte, damit Kundinnen diese leichter finden. „Vieles im Verkauf hängt von diesen kleinen Dingen ab“, lautet sein Credo.

Persönlicher Assistent

Der damalige Next-Chef Jones war so begeistert, dass er den jungen Mann zu seinem persönlichen Assistenten machte. Wenige Jahre später war Simon Wolfson Verkaufsdirektor, 1999 rückte er als Managing Direktor in den Vorstand auf. Spätestens seitdem galt er als Mann der Zukunft und als Architekt des Erfolgs des Unternehmens, das nach der überhitzten Expansion in den achtziger Jahren fast pleite war.

Das Markenprofil von Next ist nicht so jung und frech wie etwa das von GAP oder Benetton. Doch mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich Next zu den erfolgreichen Bekleidungseinzelhändlern am schwierigen britischen Markt entwickelt. Wolfson will weiter auf Qualität setzen: „Die Kleidung schafft einen Markennamen, nicht der Name macht die Kleidung.“

Sein fester Glaube an die Marke Next hat sich für ihn ausgezahlt. Seit seinem Karrierestart Anfang der neunziger Jahre hat Simon Aktien des Unternehmens gekauft. Damals fiel der Kurs bis auf zehn Pence, heute liegt er bei fast dem Hundertfachen – und Wolfson hat 1,7 Millionen Aktien. Der Millionär, Kunstsammler und Hobby-Historiker lebt sein Single-Dasein dennoch relativ normal – Ferien in Cornwall und ein bisschen Sport. Britisch vom Scheitel bis zur Sohle.

Pläne für eine Expansion ins Ausland gibt es nicht. Wolfson sieht genug Wachstumspotenzial in Großbritannien: „Unser Marktanteil liegt bei nur vier bis fünf Prozent.“ Bislang hat Next 320 Filialen und beschäftigt rund 1 500 Mitarbeiter. Wolfson will vor allem große Läden in City-Lage eröffnen. So sollen sich in fünf Jahren die Verkaufszahlen verdoppeln – dies sei kein Ziel, so das betonte Understatement, aber doch erstrebenswert.

Vielleicht lässt er ja dann mal eine richtige Party steigen – bis tief in die Nacht und mit Champagner.

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