Neuer Chef der Sony-Playstation
Blick nach Westen

Auf den Schultern von Kazuo Hirai, neuer Chef der Sony-Playstation, ruht die Zukunft des Konzerns. Die Zeiten sind schlecht. Wie stark Konkurrent Nintendo ist, wird sich auch auf der Games Convention in Leipzig zeigen.

SANTA MONICA. Für die legendäre Aussicht auf den Pazifikstrand vor Santa Monica hat Kazuo Hirai keinen Blick. Ruhig und konzentriert mit verschränkten Händen lauscht er auf dem etwas zu plüschigen Sessel in der Hotelsuite den Fragen. Die Antworten kommen unjapanisch knapp und direkt, aber trotzdem vorsichtig abgewogen. Er weiß: Auf seinen Schultern ruht die Zukunft Sonys.

Der 46-Jährige verantwortet seit Mitte 2007 als President und CEO die Geschicke von Sony Computer Entertainment International und damit die der Spielekonsole Playstation 3, kurz "PS3", weltweit. Sie ist schlicht das "wichtigste Produkt des Konzerns", wie Howard Stringer, CEO des Mutterkonzerns Sony Corp., nicht müde wird zu betonen - und es läuft überhaupt nicht gut. Stringer wollte einen Neuanfang: "Playstation-Vater" Ken Kutaragi wurde abgelöst. Kazuo "Kaz" Hirai heißt der Neue.

Der ist jetzt auf Roadshow. Er spricht mit Gamern, Händlern und Softwarepartnern, fragt diese zum Beispiel auf der Gamingmesse E3 im mondänen Santa Monica geduldig, was sie brauchen oder wünschen, wie man die Zusammenarbeit verbessern kann.

Könnte sich Nippons Wirtschaft einen Prototypen ihrer künftigen Managergeneration schnitzen, er sähe so aus wie Hirai. Hochgewachsen, schlank, mit kantigen Gesichtszügen sieht der Absolvent der International Christian University aus wie einem Hochglanz-Lifestyle-Magazin entsprungen.

Er könnte für jedes Gruppenfoto mit Wall-Street-Top-Shots posieren, aber ebenso problemlos tauscht der Fan schneller Autos und deutscher Uhren - Favorit Lange&Söhne - den obligatorischen dunklen Anzug der Tokioter-Führungsetage mit Jeans und Freizeithemd. Dann steht er geduldig jedem 18-jährigen Web-Reporter vor der Handycam Rede und Antwort oder pflegt lockeren Small Talk mit Softwareproduzenten bei Beachpartys im abendlichen Kalifornien.

Sein entspannter Auftritt lässt dann kaum vermuten, wie ernst die Lage im Konzern tatsächlich ist. Denn: Im abgelaufenen Finanzjahr musste Sonys Videospielesparte einen verheerenden Verlust von zwei Mrd. Dollar wegstecken, und das darf nicht noch mal passieren. Misslingt die "Operation PS3", dürfte der gesamte Geleitzug Sony in schweres Wetter geraten. In ihren besten Zeiten hat die Playstation-Sparte fast die Hälfte des gesamten Konzerngewinns beigesteuert und Stringer ermöglicht, den langwierigen Umbau durchzustehen.

UBS-Analyst Ben Schachter glaubt, dass die Schwäche Sonys sogar Auswirkungen auf die gesamte Gamingbranche haben könnte. Deshalb müsse Sony dringend den Absatz ankurbeln. Schachter sieht in einer Studie Sony im Jahr 2010, wenn die nächste Konsolengeneration ansteht, sonst nur noch als Nummer zwei auf dem Markt hinter Nintendo - zumal sich derzeit die Konkurrenz-Konsole von Nintendo, die "Wii", selbst im Heimatmarkt Japan um ein Vielfaches besser verkauft als Sonys PS3.

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