Neuer Chef kommt an
West-LB-Chef: Der Menschenfischer

Es war nur eine Rede in einer hässlichen Halle, in der häufig Konzerte von Rockstars stattfinden, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben. Und das zu einer Zeit, als auch viele Mitarbeiter der WestLB das von ihrer Bank glaubten. Doch Thomas Fischer reichen an diesem 27. April in der Düsseldorfer Philipshalle 30 Minuten, um so den mentalen Turn-around der WestLB zu erreichen.

Er beschönigt nichts vor den rund 2 500 Inlandsmitarbeitern, nicht die hohen Verluste und nicht die großen Probleme. Doch er spricht auch vom „großen Potenzial der Bank“, vom „großen Know-how der Mitarbeiter“. Und das kommt an. „Wir lechzten schließlich nach eineinhalb Jahren der Desillusionierung nach jemandem, der uns Zuversicht vermittelt“, beschreibt ein Manager den Abend.

Die Veranstaltung, ein Novum in der WestLB-Geschichte, zeigt exemplarisch den Wandel der Bank. Es wird offen gesprochen. Rückfragen, unter anderem an die versammelten Vorstände, sind erwünscht. Die Chef-Riege weicht nicht aus. Während unter Friedel Neubers jahrzehntelanger Ägide aus Angst vor Repressionen kaum jemand eigene Standpunkte vertreten habe, tauten die Mitarbeiter unter Fischer auf, berichten Insider.

Fischer ist die Veranstaltung so wichtig, dass er trotz eines Trauerfalls in seiner Familie kommt. „Jeder hätte Verständnis gehabt, wenn er abgesagt hätte“, sagen Mitarbeiter. Dass er es nicht tat, nimmt viele zusätzlich für ihn ein. Dazu kommen harte Fakten. Standard & Poor’s hat statt des befürchteten Ratings von „Triple B“ im Juli ein „A-“ gewährt. Die Sparkassen haben sich finanziell engagiert. Und das Institut soll dieses Jahr endlich einmal wieder Gewinn machen.

Beschäftigte und Eigentümer – vor allem die neuen Mehrheitseigentümer Sparkassen – glauben wieder an die gebeutelte Bank. Überraschend daran ist, dass gerade ein oft als exzentrisch beschriebener Manager das erreicht hat. Einer, der gerne Cowboystiefel zum Maßanzug trägt und dicke Zigarren raucht. Einer, der den Männersport Boxen nicht nur liebt, sondern selbst betreibt. Einer, der sich immer für den Besten hielt und es deshalb unter Joe Ackermann in der Deutschen Bank auch nicht lange aushielt.

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