Neuer Degussa-Chef Engel
Große Pläne, große Widerstände

Der Mann hat Mut. Wenn Klaus Engel heute sein neues Amt als Vorstandschef des Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns Degussa antritt, erwartet ihn jede Menge Arbeit. Außerdem muss der 50-jährige, promovierte Chemiker mit großen internen Widerständen rechnen.

DÜSSELDORF. Schließlich gilt er seit der gemeinsamen Zeit beim Veba-Konzern als enger Vertrauter von RAG-Chef Werner Müller. Und der ist mit der inzwischen fast vollständig zum RAG-Konzern gehörenden Degussa nicht gerade zimperlich umgegangen. Müller will mit der RAG im zweiten Quartal 2007 an die Börse. Und dafür soll die größte Konzerntochter Degussa die Wachstums-Story liefern.

Erst vor wenigen Tagen hat die RAG den endgültigen Abschied der Degussa von der Börse durchgedrückt. Mit dem Abschluss eines Beherrschungsvertrags nimmt der einstige Bergwerkskonzern die Tochter noch enger an die Leine. Bereits im Februar verkaufte die Degussa mit der Bauchemie einen ihrer verlässlichsten Gewinnlieferanten – auf Geheiß der RAG, die mit dem Geld nun die vollständige Degussa-Übernahme finanziert. Entnervt gab Engels Amtsvorgänger bei Degussa, Utz-Hellmuth Felcht, auf. Manch andere Führungskraft verließ das Haus oder orientierte sich zumindest neu.

Degussa, Deutschlands drittgrößter Chemiekonzern, ist das Resultat etlicher Fusionen. Eine einheitliche Unternehmenskultur gibt es bis heute nicht. „Engel muss den Laden zusammenhalten und zugleich die Integration in den RAG-Konzern vorantreiben“, umreißt ein Degussa-Kenner die Top-Aufgaben des neuen Chefs. Doch anders als Felcht, der es in seinen fünf Jahren an der Degussa-Spitze nicht schaffte, eine eigene Hausmacht aufzubauen, gilt Engel als durchsetzungsstark, pragmatisch und lösungsorientiert.

Das Vertriebsressort im dreiköpfigen Degussa-Vorstand übernimmt der Ex-Chef der weltgrößten Chemiehandelsfirma Brenntag selbst. Hier sehen Branchenkenner die größte Schwachstelle. „Degussa braucht einen unternehmerischen Typ wie Engel“, sagte ein Unternehmensberater, der ihn noch aus Veba-Zeiten kennt. Die Degussa-Führungsriege zumindest hat mit Engel ihren Frieden gemacht. Produktionsvorstand Alfred Oberholz, 53, der Ambitionen auf den Chefsessel hatte, kann sich gut eine Zusammenarbeit mit Engel vorstellen, sagte er im kleinen Kreis.

Im RAG-Konzern wird Engel, ein Mann von bulliger Statur, sogar schon als potenzieller Nachfolger von RAG-Chef Müller, 60, gehandelt. Dessen Vertrag läuft zwar bis Ende Mai 2008. Doch es könnte sein, dass Müller nach einem erfolgreichen Börsengang an die Spitze des Aufsichtsrats wechsele, heißt es in Essen. Engel hat die Taufe des Kapitalmarktes bereits bestanden: Brenntag gehört dem US-Investor Bain Capital.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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